Dänemark: Burka- und Nikabverbot tritt in Kraft

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Wenn Sabina am Mittwoch auf die Straße geht, wird sie das Gesetz brechen. An diesem 1. August tritt in Dänemark eine Vorschrift in Kraft, die muslimischen Frauen in der Öffentlichkeit das Tragen von Ganzkörperschleiern (Burka) und Gesichtsschleiern (Nikab) untersagt. Man kann das als reine Stimmungsmache werten, als bloße Symbolpolitik – denn in dem Land tragen nur wenige Frauen einen Gesichtsschleier, wie der „Guardian“ berichtet.

Für Frauen, die von dem Gesetz betroffen sind, macht das die Sache nicht besser. Sie wollen die Änderung nicht hinnehmen. Sabina etwa, 21, angehende Lehrerin, protestiert zusammen mit anderen muslimischen Frauen gegen das Gesetz. Gemeinsam gründeten sie die Gruppe „Frauen im Dialog“. „Ich werde meinen Nikab nicht abnehmen“, sagt Sabina. „Wenn ich es tue, dann weil es meine eigene Wahl ist.“

Für Mittwoch ist eine Demonstration geplant, an der Nikab-Trägerinnen ebenso teilnehmen sollen wie muslimische Frauen, die keinen Gesichtsschleier tragen – und Dänen anderen Glaubens, die ihr Gesicht ebenfalls bedecken wollen.

Mathias Vidas Olsen aus Kopenhagen unterstützt die Kampagne. Er entwirft Schmuck in der Wikinger-Tradition. Den Erlös aus seinem Armbänder-Verkauf spendet er an „Frauen im Dialog“. „Ich bin nicht für oder gegen den Nikab“, sagt der 29-Jährige aus Kopenhagen. „Ich bin für das Recht der Leute, das zu tragen, was sie wollen, ganz gleich, ob sie Muslime oder Punks sind.“ Mit dem Gesetz greife die Regierung in Bereiche ein, die sie nichts angingen. „Das ist ein Tiefschlag gegen eine ohnehin schon stigmatisierte Gruppe, um politisch zu punkten.“

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Proteste in Dänemark:
Kampf dem Verschleierungsverbot

Das dänische Parlament hatte das Gesetz Ende Mai mit 75 Ja-Stimmen bei 30 Gegenstimmen beschlossen. Das Verbot bezieht auch Hüte, Mützen, Schals, Masken, Helme und künstliche Bärte ein, die das Gesicht stark verdecken. Weiter erlaubt ist es allerdings, sich an kalten Tagen den Schal ins Gesicht zu ziehen oder zu Karneval Masken zu tragen.

Das Gesetz erlaubt es der Polizei, Frauen anzuweisen, ihre Schleier abzunehmen oder öffentliche Orte zu verlassen. Justizminister Søren Pape Poulsen von der Konservativen Volkspartei sagte, Polizisten würden eine Geldbuße verhängen und die Frauen nach Hause schicken. Vorgesehen sind Bußen von umgerechnet 135 Euro beim ersten Verstoß. Wird man zum vierten Mal erwischt, kostet es rund 1350 Euro.

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Verschleierte Frauen:
Formen der Verhüllung

Poulsen begründete das Verbot damit, dass man in Dänemark Gesichter und Augen nicht bedecke. „Wir müssen einander sehen und wir müssen den Gesichtsausdruck des anderen sehen, das ist ein Wert in Dänemark.“ Amnesty International kritisierte die Entscheidung als diskriminierende Verletzung der Rechte von Frauen.

„Jeder will bestimmen, was dänische Werte sind“, sagt Meryem, 20. Sie ist in Dänemark geboren, das Kind türkischer Eltern. Sie trägt einen Nikab und will dies auch weiterhin in der Öffentlichkeit tun. Ihr Ehemann unterstützt dies, sagt aber, ohne den Schleier wäre das Leben vermutlich leichter.

Das Thema erregt die Gemüter. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters bat Sabina wie andere Frauen darum, aus Angst vor Bedrohungen ihren Nachnamen nicht zu nennen.

Animation: Von Kopftuch bis Burka

Das Gesetz legitimiere Handlungen aus Hass, sagt die 37-jährige Ayah. Andererseits bekomme das Thema nun mehr Aufmerksamkeit. „Ich werde auf der Straße öfter angelächelt und Leute stellen mir mehr Fragen.“

Dänemark ist nicht das einzige Land mit einem Verhüllungsverbot. Frankreich hatte 2011 als erster europäischer Staat das Tragen von Vollverschleierungen untersagt. Dem Beispiel folgten in den vergangenen Jahren unter anderem Belgien, die Niederlande und im Oktober 2017 auch Österreich. In Deutschland will die AfD muslimischen Frauen das Tragen von Nikab und Burka im öffentlichen Raum verbieten, auch Teile der CSU sprechen sich dafür aus.



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