„FDP“ Glaube: «Mädchen schon früh stärken»

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Es solle kein braver, sondern ein kecker Anlass werden, sagte Nationalrätin Doris Fiala, als sie die Veranstaltung der FDP-Frauen am Donnerstagabend im Gate 27 eröffnete. «Wir wollen uns offen mit der Knacknuss der Rolle der Frau in den Religionen befassen.»

In Kurzreferaten gaben drei Referentinnen einen Einblick in die Stellung der Frau in ihrer ­Religion. Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, sagte, die Mehrheit der muslimischen Frauen sei perfekt integriert, doch es gebe auch Frauen, die sich gar nicht integrieren könnten, weil sie in den Strukturen ge­fangen seien. In manchen Moscheen, auch in der Schweiz, müssten schon kleine Mädchen eine Kopfbedeckung tragen. Diese Mädchen stünden von Beginn weg unter grossem Druck. «Hier muss man eher von einer Desintegration sprechen. Das Umfeld sorgt dafür, dass für diese Mädchen Freiheit negativ besetzt ist.» So würden Rollenbilder zementiert, die nicht mit einer Demokratie kompatibel seien.

Doch auch im Katholizismus ist die Stellung der Frau eine ­andere als die des Mannes. Die katholische Theologin Jacqueline Straub erklärte, dass im ­katholischen Lehramt eigentlich ein Diskriminierungsverbot verankert sei. Trotzdem würden Frauen von geistlichen Ämtern ausgeschlossen. Das sei schade: «Denn nur wenn wir die Frauen hier in der Schweiz gut stellen, können wir auch in anderen Ländern auf eine Veränderung hinwirken.» Sie wies darauf hin, dass das Christentum eigentlich eine emanzipierte Religion sei und es keinen Anlass gebe, die Frauen zu diskriminieren: «Jesus hob die Frauen auf gleiche Stufe wie die Männer. Das war zu jener Zeit alles andere als selbstverständlich.»

Bea Wyler ist die erste und einzige Rabbinerin in der Schweiz. Sie sagte, im jüdischen Glauben sei klar, dass die Männer in der Gemeinde das Sagen hätten und die Frauen allenfalls zu Hause. Die Frage nach der Stellung der Frau führe in den jüdischen Gemeinden sogar zu Spaltungen. Sie selber gehöre der Plattform ­liberaler Juden der Schweiz an. In den meisten anderen Gemeinden wäre eine Rabbinerin nach wie vor ein Tabu.

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In einem Podium diskutierten anschliessend Personen mit unterschiedlichen Hintergründen darüber, wie man zementierten Rollenbildern in der Religion begegnen kann. Përparim Avdili, FDP-Gemeinderat in Zürich, sagte, wichtig sei, dass die Rolle der Mädchen schon in der Schule thematisiert werde. «Wir müssen diese Werte schon früh vermitteln.» Dabei sei es wichtig, auch die Mütter miteinzubeziehen. «Eine Mutter mit Kopftuch sollte man zwar akzeptieren, aber sie zugleich nicht einfach in ihrer Blase lassen.» Désirée Schreyer, FDP-Kantonsratskandidatin, riet ebenfalls dazu, die Mütter in die Verantwortung zu nehmen. «Sie sollten die Mädchen stärken. Ein Mädchen soll alles dürfen, was ein Bub auch darf.»

(Der Landbote)

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