Wie Xi Jinping Religionen in China angreift

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xi jinping protestersChina verfolgt Religionen unter Präsident Xi Jinping noch intensiver.EnginKorkmaz/iStock, Etienne Oliveau/Getty Images, Samantha Lee/Business Insider

China führt einen beispiellosen Krieg gegen Religionen.

Allein im vergangenen Jahr wurden in China Muslime wegen ihrem Glauben inhaftiert, Buddhisten gezwungen, der kommunistischen Partei die treue zu schwören und christliche Gemeinden gezwungen, entweder die Kreuze in ihren Kirchen abzuhängen oder diese zu schließen.

china uighur uyghur security checkpoint policeDie muslimische Minderheit der Uighuren wird durch chinesische Behörden beispiellos überwacht.Eric Lafforgue/Art in All of Us/Corbis via Getty Images

Die Sinisierung der Religion

Die offiziell atheistische Kommunistische Partei versucht seit Jahrzehnten, religiöse Organisationen zu kontrollieren um ihre Vorherrschaft aufrecht zu erhalten.

Das 1952 gegründete Ministerium für Religionsfragen gestattet die Existenz von fünf religiösen Organisationen unter staatlicher Kontrolle: eine gedultete Form des Buddhismus, den Taoismus, den Islam sowie die evangelische und katholische Kirche. Der Staat kontrolliert das Personal, Veröffentlichungen und Finanzen dieser Gruppen. Theoretisch dürfen die Bürger Chinas Religion frei ausüben, solange ihre Religionsgemeinschaft offiziell von der Regierung geduldet wird.

Im Jahr 2015 führten Parteioffizielle erstmals den Begriff „Sinisierung“ in den offiziellen Regierungswortschatz ein. Damit sollten Glaubensführer vom Islam, Buddhismus und Christentum aufgerufen werden, ihre Religionen mit dem sozialistischen Gedanken Chinas zu vereinigen.

Roderic Wye, ehemaliger Chef-Sekretär in der britischaft in Peking, sagte Business Insider: „Die Kommunistische Partei hatte schon immer irgendwie ein Problem mit Religion, da religiöse Aktivitäten oft irgendeine Form der Organisation beinhalten. Sobald es irgendwo eine Organisation gibt, ist die Partei erpicht darauf, sie zu kontrollieren.

Doch unter der Präsidentschaft von Xi Jinping scheint sich die Bekämpfung von Religionen durch die Regierung in einem alarmierenden Maß verschlimmert zu haben.

xinjiang uighur prayViele Muslime in Xinjiang sagen, wegen religiöser Merkmale verhaftet worden zu sein.Kevin Frayer/Getty

„Sie wollen den Islam an der Wurzel abschneiden“

In der westlichen Region Xinjiang, Heimat der hauptsächlich muslimischen ethnischen Minderheit der Uighuren, hat die Regierung einen massiven Polizeistaat installiert und Berichten zufolge bis zu eine Millionen Uighuren inhaftiert.

Viele Inhaftierte sagen, sie wären wegen eindeutigen Kennzeichen ihrer muslimischen Religionszugehörigkeit gefangen genommen worden, wie etwa das tragen eines Schleiers oder eines langen Barts.

Das überwiegend muslimische Hui-Volk, das über ganz China verteilt lebt, fürchtet ebenfalls, bald Ziel der Verfolgung zu sein.

In der nördlich gelegenen Stadt Yinchuan, Heimat der größten Gruppe Hui-Muslime im Land, haben die Behörden den täglichen Gebetsruf verboten, da er anscheinend eine Lärmbelästigung sei. Dies berichtete die „South China Morning Post“.

Ein namenlose Imam aus Linxia in der Mitte Chinas, sagte der französischen Presseagentur AFP im Juli: „Sie wollen Muslime sekularisieren, um den Islam an der Wurzel herauszuschneiden. Heutzutage dürfen Kinder gar nicht mehr an Religionen glauben: Nur noch in den Kommunismus und die kommunistische Partei.“

china underground catholic churchAuch die katholische Untergrundkirche wird von Behörden ins Visier genommen.Andy Wong/AP

Überwachte Gottesdienste, zensierte Predigten

Doch dieses Durchgreifen beschränkt sich nicht nur auf den Islam.

Behören griffen ebenfalls Christen außerhalb der vom Staat gedudeten katholischen und evangelischen Vereinigungen an, indem sie Bibeln verbrannten, Kirchen schlossen und Religionsangehörige gezwungen wurden, sich von ihrer Religion loszusagen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur AP.

Einige Kirchen durften geöffnet bleiben, doch nur unter Bedingung, dass Kameras mit Gesichterkennungssoftware im Gebäude installiert wurden. Parteioffizielle würden die Predigten zensieren oder mit Parteipropaganda versehen, sagte Bob Fu, der die amerikanische Menschenrechtsorganisation ChinaAid leitet, gegenüber dem französischen Fernsehsender France24.

Im September unterschrieben die chinesische Behörden und der Vatikan eine Vereinbarung, nach der Papst Franziskus von Peking ernannte Bischöfe offiziell anerkennt. Diese waren zuvor exkommuniziert worden, weil sie nicht vom Heiligen Stuhl genehmigt waren. Kritikern zufolge hat der Heilige Stuhl durch die Vereinbarung Macht an die Kommunistische partei verloren.

Dabei ist die Loyalität unter den rund 10 Millionen Katholiken in China zwischen dem Vatikan und der vom Staat überwachten Chinesisch-Patriotischen Katholischen Vereinigung gespalten. Auf der evangelischen Seite gibt es rund 100 Millionen Christen.

china tiananmen monksZwei Mönche warten am Tiananmenplatz in Peking auf die traditionelle Einholung der Flagge.Feng Li/Getty

Mönche hissen die Flagge

Auch bei Buddhismus und Taoismus — die historisch noch viel tiefer in Ostasien verwurzelt sind — wird keine Ausnahme gemacht.

China unterdrückt etwa Religion in Tibet, der religiöse Führer, der Dalai Lama, bleibt im indischen Exil. Aktivisten zufolge überwacht der Staat den Alltag in den großen tibetischen Klöstern, limitiert die Reise- und Kommunikationsmöglichkeiten von Gläubigen und inhaftiert regelmäßig Mönche wegen angeblichen terroristischen Betätigungen.

In diesem Jahr wurde etwa im berühmten Shaolin-Tempel — ein alter buddhistischer Tempel, in dem die Kampfsportart Kung Fu entstanden sein soll — zum ersten mal in seiner 1.500-jährigen Geschichte die chinesische Flagge im Rahmen einer Regierungskampagne gehisst, um Patriotismus zu demonstrieren.

china shaolin temple flag raisingMönche hissen die chinesische Flagge im Shaolin-Tempel.Yuan Xiaoqiang/Orient Today via Reuters

„Keine andere morale oder soziale Authorität wird toleriert“

Um die eigene Macht zu erhalten, lehnt die Kommunistische Partei jede Art von Basisorganisation ab, da diese als Gefahr für die interne Stabilität gesehn werden.

Wye, der ehemalige Mitarbeiter der britischen Botschaft, sagt dass der Wille Chinas, Kontrolle über Religionen auszuüben, auch dazu da ist, um ausländische Kontrolle zu limitieren.

„Der chinesische Staat hat sich schon immer über ausländische Einflussnahme über Religionen und wie ausländische Mächte sie zur sozialen Einflussnahme nutzen könnten gesorgt,“ sagte Wye zu Business Insider.

„Es ist Teil eines größeren ‚chinesischen Traums‘ den Xi Jinping hat, um China wieder groß und stark zu machen

„This is part of the wider ‚China dream‘ that Xi Jinping has, to make China big and strong again,“ fügte er hinzu.

„Wie auch immer sich China in der Zukunft politisch und sozial entwickeln wird, wird von der Kommunistischen Partei beschlossen und verbreitet. Keine andere morale oder soziale Authorität wird toleriert.“

Dieser Artikel wurde von Jonas Lotz aus dem Englischen übersetzt.

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