Zerrissenes Bosnien entscheidet über Staatsspitze

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Sarajevo. Vor fast 23 Jahren, Ende 1995, wurde der Krieg zwischen Serben auf der einen, Kroaten und bosnischen Muslimen auf der anderen Seite in Bosnien-Herzegowina beendet. Das Friedensabkommen von Dayton hätte neben der Beendigung von Kampfhandlungen auch den Grundstein für ein erneutes Zusammenleben der unterschiedlichen Ethnien und Religionen in dem ex-jugoslawischen Staat legen sollen.

Zwei Dekaden später kann von einem gedeihlichen Zusammenleben von Serben, Kroaten und Muslimen nicht die Rede sein. Das zeigt auch die Lage vor den Wahlen, die an diesem Sonntag in Bosnien stattfinden. Der Staat mit seinen beiden Landesteilen – der serbischen „Republika Srpska“ und der Bosnisch-Kroatischen Föderation – ist weitgehend funktionsunfähig, die Vertreter der einzelnen Volksgruppen belauern sich eher als dass sie harmonieren. Auch die EU hat es bis dato nicht vermocht, die tiefen Gräben mit der verlockenden Aussicht auf einen EU-Beitritt zuzuschütten.

„Lasst euch nicht einschüchtern“
Gewählt werden neben den drei Mitglieder der Staatsführung – bestehend aus einem Serben, einem bosnischen Muslim und einem Kroaten – auch das gesamtstaatliche Parlament ebenso wie die Parlamente der beiden Landesteile. Ein Aufbruch zeichnet sich dabei nicht ab. Analysten gehen auch diesmal davon aus, dass es Monate dauern dürfte, bis über die Zusammensetzung der einzelnen Institutionen in dem komplizierten Staat entschieden ist. Der internationale Bosnien-Beauftragte Valentin Inzko hat die Bosnier am Freitag aufgerufen, sich an der Wahl am Sonntag zu beteiligen. „Lasst euch nicht durch Aufrufe zur Teilung, grobe Rhetorik und Drohungen einschüchtern“, wurde Inzko vom Internetportal Klix.ba zitiert. Die Bürger sollten selbst über ihre Zukunft entscheiden. „Sonst werden es andere an eurer Stelle tun.“

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