Islamophobie in Österreich: Sind Muslime die neuen Sündenböcke?

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Die Novemberprogrome 1938 in Deutschland markieren den Übergang von der Diskriminierung deutscher Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später im Holocaust mündet. Am 9. November, der sogenannten Kristallnacht, haben die Nationalsozialisten mehr als 1400 Synagogen und Friedhöfe sowie jüdische Geschäfte in Deutschland und Österreich geplündert und zerstört.

Es war der Beginn des systematischen Massenmordes der Nazis an Millionen von Juden. In einer Serie geht euronews den Wurzeln der Progrome nach, denn den Hass, der sich vor 80 Jahren entlud, gibt es noch heute in ganz Europa.

Das Islamische Zentrum in Wien ist die älteste Moschee Österreichs, ein potenzielles Ziel für Anschläge. In ganz Europa nimmt die Feindseligkeit gegenüber der muslimischen Gemeinschaft zu, sagt der Politologe Farid Hafez:

„Wie spricht man öffentlich über Islamophobie? Und wir sehen nach wie vor, dass viele das noch immer verneinen – so etwas gibt’s nicht – und das sei eine Kampfansage der Islamisten, um Probleme groß zu spielen. Gut, dann zeigen wir empirisch, dass dem nicht so ist.“

Hafez veröffentlichte einen europäischen Islamophobiebericht mit länderspezifischen Daten. In Deutschland zum Beispiel wurden im vergangenen Jahr über 70 Angriffe auf Moscheen und 900 Angriffe auf Muslime registriert. Brandbomben, Drohungen und andere Hassverbrechen auch in Polen, Frankreich und Großbritannien:

„Menschen fühlen sich empowered mehr zu tun, Grenzen auszuweiten und Übergriffe zu legitimieren, in dem sie sagen, ich habe eine politisch legitime Kraft, die hinter mir steht“, so Farid Hafez.

Fremdenfeindlichkeit im Alltag

Rechtspopulistische Parteien in Europa wie die Freiheitliche Partei Österreichs scheinen Antisemitismus gegen Islamfeindlichkeit ausgetauscht zu haben. Sind Muslime die neuen Sündenböcke? Wir fragten auf dem Wiener Brunnenmarkt, dort werden viele Stände von Türken betrieben:

„Allgemein, dass man mit der Angst der Menschen einfach spielen und sie manipulieren kann“, sagt Daniela Minassians.

Maria: „Es ist einfach immer wieder das Problem, dass die Menschen den anderen nicht genug achten und respektieren. Die Achtung! Die Toleranz!“

Euronews-Reporter Johannes Pleschberger: „Das heißt, Ihnen ist nie etwas passiert, dass Sie beschimpft worden sind oder Ähnliches?“ Rama Arabi, syrischer Flüchtling: „Nein überhaupt nicht, überhaupt nicht. Alle Leute sind sehr nett.“

Laut einer Umfrage der EU gibt fast jeder dritte Muslim an, bei der Arbeitssuche schon einmal diskriminiert worden zu sein. Aber es gibt auch kritische Stimmen, die behaupten, die wahre Absicht der Berichte über Islamfeindlichkeit bestehe darin, die Opferrolle der Muslime hervorzuheben. Dies wäre eine Taktik des politischen Islam. Farid Hafez sagt:

„Ich wüsste nicht, was schön daran wäre, eine Opferrolle zu haben. Und ich glaube, die Tatsache über Rassismus zu sprechen und dieses Machtverhältnis anzusprechen und zu kritisieren, ist alles andere als eine Opferrolle. Das kann man in Wirklichkeit nur aus einer Position der Stärke heraus machen.“

Quelle:

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