Wie berichtet man fair über den Islam?

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Berichtet doch mal was Positives!“ Wer das fordert, ist Lobbyist. Trotzdem behaupten „The Muslim Story“, keine Lobby zu sein. Streng genommen, da mit der Interessenvertretung keine unmittelbaren wirtschaftlichen Interessen mittels politischer Einflussnahme verbunden sind, stimmt das zumindest der Begrifflichkeit nach. Eine gesellschaftliche Einflussnahme strebt die Gruppe dennoch an. Es soll Einfluss auf die Berichterstattung in den Medien über den Islam genommen werden. Die Postulate sind weniger Aufmerksamkeit für den Islam, mehr Muslime in die Redaktionen oder man solle Probleme nicht „islamisieren“. Dazu bietet die Gruppe auf Facebook „Medientrainings für muslimische Organisationen“ und „Islamdiskurs-Workshops” für Redaktionen an. Ein solcher Workshop fand in der Deutschen Journalistenschule (DJS) statt. Nach Aussage der Schule ließ man von der Initiative „The Muslim Story“ ein Seminar zu fairer Berichterstattung über den Islam ausrichten.

Lobbyisten in eine Journalistenschule einzuladen, ist nicht das Problem. Wer eine Sache offensiv vertritt, hat auch eine klare Meinung dazu und bringt für gewöhnlich Sachverstand mit. Wo das Wort „umstritten“ mehr ist als ein polemischer Begriff zur Verunglimpfung, muss auch die andere Seite gehört werden. Bestimmte Aspekte des Islam, sowie deren praktische, politische oder gesellschaftliche Auswirkungen, sind ohne Zweifel umstritten. Aufgrund der wachsenden Zahl der Muslime in unserem Land ist das Thema relevant. Das beschränkt sich nicht auf islamistische Gewalt oder Terror. Das betrifft Fragen des alltäglichen Miteinanders der Menschen.

Wer als Verantwortlicher journalistischer Ausbildung so nicht handelt, hat zu Recht damit zu rechnen, dass es Kritik hagelt. Gesellschaftliche Interessenvertreter von nur einer Meinungsrichtung einzuladen, ist ein Widerspruch zur angestrebten journalistischen Objektivität. Solcherart Kritik sah sich die DJS von Islamkritikern ausgesetzt. Vor denen sei angeblich auf der Veranstaltung gewarnt worden. „The Muslim Story“ bezeichnet sich selbst als Initiative für eine faire Berichterstattung über Muslime und einen Diskurs auf Augenhöhe. So liest man es auf der Facebookseite. Man liest aber auch, „Erlöst und von Experten, die keine sind.“ Wer legt das eigentlich fest? Als Postulat einer Interessenvertretung mag das angehen. Maßstab journalistischen Handelns kann das nicht sein.

Im Rahmen des Seminars an der DJS sei vor den Islam-Experten Ahmad Mansour, Constantin Schreiber und Hamad Abdel-Samad in solcher Form gewarnt worden. Den sehr dezidiert auftretenden Islamkritikern wurde von den Interessenvertretern dem Vernehmen nach die Qualifikation als Experten abgesprochen. Der Autor Hamad Abdel-Samad meldete sich daraufhin in einem Artikel auf der „Achse des Guten“, einem Blog, der unter anderem von Henryk M. Broder mit initiiert wurde, zu Wort. Er betonte, es sei normal, dass Islamvertreter und Lobbyisten versuchten, die Berichterstattung zu ihren Gunsten zu manipulieren. Den Skandal sähe er darin, dass die DJS, die zur Objektivität und Neutralität verpflichtet sei, die Diffamierung von drei Schriftstellern im eigenen Haus dulde und keine Gegendarstellung zulasse.

Nach Darstellung der drei kritisierten Islamexperten habe man seitens der Schule auf Gesprächsangebote nicht angemessen reagiert. Das Angebot der Islamkritiker, ebenfalls mit den Schülern zu reden, sei nicht angenommen worden. Man könne sich mal auf eine Tasse Kaffee treffen, sei Abdel-Samad zur Folge die einzige Reaktion der Schulleitung gewesen.

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