„Juden in der AfD“ in Wiesbaden gegründet

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Die Vorsitzende der „Juden in der AfD“, Vera Kosova, und ihr Stellvertreter Wolfgang Fuhl. Foto: idea/Rösler

Die Vorsitzende der „Juden in der AfD“, Vera Kosova, und ihr Stellvertreter Wolfgang Fuhl. Foto: idea/Rösler

Wiesbaden (idea) – 19 jüdische Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) haben sich am 7. Oktober in Wiesbaden zu einer deutschlandweiten Vereinigung zusammengeschlossen. Zur Vorsitzenden wählten sie die Stuttgarter Ärztin Vera Kosova, als Stellvertreter Wolfgang Fuhl (Lörrach) und Artur Abramowych (Emmendingen bei Freiburg). Bei einer Pressekonferenz wies Kosova darauf hin, dass die AfD sich von jeder Form von Rassismus und Antisemitismus distanziere. Fuhl sagte, die AfD sei die einzige deutsche Partei, die sich dafür ausgesprochen habe, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen: „Die AfD ist eine pro-israelische Partei.“

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Verbot von Schächten ist nicht antisemitisch

Fuhl bedauerte, dass sich eine Mehrheit der Mitglieder im Parteiprogramm gegen das Schächten – das Schlachten von Tieren ohne vorherige Betäubung – ausgesprochen habe. Im Judentum ist diese Art des Schlachtens vorgeschrieben. Nach seiner Ansicht gibt es aber keinen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und dem Verbot des Schächtens. So sei in der Schweiz das Schächten seit 1896 verboten. Doch in dem Land hätten die Juden überlebt, während in Deutschland Juden ermordet worden seien. Bei einer Volksabstimmung, so Fuhl, würden sich 70 Prozent aller Deutschen gegen das Schächten aussprechen.

Wer kann Mitglied werden?

Als Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der neuen Vereinigung nannte Abramowych, dass man Parteimitglied sein und sich dem Judentum zugehörig fühlen müsse. Möglich sei auch, zum Judentum überzutreten. Fuhl zufolge ist auch für jüdische Agnostiker und Atheisten Platz in der Vereinigung.

Kritik an der Flüchtlingspolitik

Der Beisitzer im Vorstand, Bernhard Krauskopf (Berlin), nannte als Ziel des Zusammenschlusses, eine wertkonservative Politik zu unterstützen sowie die jüdisch-christliche Tradition aufrecht zu erhalten. Scharfe Kritik übte er an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei dafür verantwortlich, dass mit den Muslimen tausende von Feinden der Juden ins Land gelassen worden seien. Eigentlich, so Krauskopf, stehe keine andere Religion und Kultur dem Judentum so nahe wie der Islam. Das Judentum selbst akzeptiere ihn als gleichwertige monotheistische Religion. Doch seit 900 Jahren betrachteten viele Muslime die Juden als Feinde: „Der Islam hatte lange genug Zeit, Frieden mit den Juden zu schließen. Das ist ihm nicht gelungen. Genug ist genug.“

„Hass und Hetze“ durch den Zentralrat der Juden

Kritik übte Fuhl am Zentralrat der Juden in Deutschland, der zusammen mit anderen jüdischen Organisationen scharfe Kritik an der neuen Vereinigung geübt hatte: „Man hat Hass und Hetze über uns ausgegossen.“ Das liege daran, so mutmaßte Fuhl, dass die jüdischen Gemeinden allein in Deutschland nicht überlebensfähig seien und finanziell vom Staat abhingen: „Das ist eine Art freiwillige Unterwerfung.“ Die Juden in der AfD seien aber offen für einen kritischen Dialog. Auffallend an der Pressekonferenz war, dass Fuhl die meisten Fragen der 45 akkreditierten Journalisten beantwortete. Auf die Frage, warum er nicht Vorsitzender geworden sei, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, er habe das Amt einer jüngeren Bewerberin überlassen wollen. Einen Zusammenhang der Gründung der Vereinigung mit der hessischen Landtagswahl Ende Oktober gebe es nicht. Nachdem die Idee zur Gründung unter Juden in Baden-Württemberg aufgekommen sei, sei der 7. Oktober der nächste mögliche Termin gewesen.

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