Urteil: Neubrandenburger Blumentopf-Werfer muss hinter Gitter

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Im Prozess gegen einen Mann, der mit Blumentöpfen vom Balkon auf einen Flüchtling zielte, ist ein Urteil gefallen. Dessen Härte überrascht.

Ein Schöffengericht unter Vorsitz des Richters Jörg Landes hat am Dienstag einen 21-jährigen Neubrandenburger zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Das Gericht entspricht mit dem Urteil wegen Widerstands gegen Polizisten, Beleidigung, Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung haargenau der Forderung der Staatsanwaltschaft. Verteidiger Joachim Kahl hatte zuvor eine Freiheitsstrafe auf Bewährung beantragt.

Am schwersten wogen, so Richter Landes in seiner Urteilsbegründung, zwei gezielte Würfe vom Balkon von mit Erde gefüllten Blumentöpfe auf einen 24 Jahre alten Mann irakischer Herkunft. Lauthals soll der Neubrandenburger dabei „Scheiß Ausländer“ durch das Reitbahnviertel gebrüllt haben. Dann musste ein 31-Jähriger syrischer Flüchtling dran glauben: An einer Kreuzung attackierte ihn der Angeklagte mit einem Hammer und verletzte ihn dabei im Gesicht.

Folgen sind für Syrer noch immer spürbar 

Richter Landes schüttelt mit dem Kopf. Es hätte nicht viel gefehlt, sagt er, und die ganze leidige Angelegenheit wäre statt am Amtsgericht vor einem Schwurgericht verhandelt worden. Wenn man zu dem Schluss gekommen wäre, der Angeklagte hätte sich möglicherweise eines versuchten Totschlags schuldig gemacht. Oder wenn der Wurf mit dem Blumentopf sein Ziel gefunden hätte. Oder der Hammer das Opfer statt an der Wange an der Schläfe oder im Auge getroffen hätte. Der Syrer, so die Vertreterin der Nebenklage, verspüre noch heute Angst beim Gang auf die Straße.

Auch angesichts der Labilität des Angeklagten gegenüber Alkohol und Drogen und dessen „Zwangsentzug” in der Haft seit einigen Monaten hält das Gericht eine längere Freiheitsstrafe für angemessen. „Sie sind jetzt am besten im Strafvollzug aufgehoben”, wendet sich Richter Landes an den jungen Mann. Dort schluckt der Angeklagte auf ärztlichen Rat seine Psychopharmaka und nimmt, ganz freiwillig, wie er immer wieder betont, auch an einem Anti-Aggressionstraining teil. „Wenn Sie ihre Drogen- und Alkoholprobleme nicht in den Griff kriegen, sieht das ganz schlecht für Sie aus”, gibt ihm Landes mit auf den schweren Weg hinter Gittern. Dort, so sagte der junge Mann am zweiten Verhandlungstag, gehe es ihm gut und er erhole sich gut.



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