Morgen Lesung von Mehmet Daimagüler: Empörung reicht nicht

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Nach fünf Jahren Verhandlung gegen die Beschuldigten des NSU wurde am 11. Juli 2018 in einem der wichtigsten Verfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte vom Oberlandesgericht in München das Urteil verkündet.
Die Hauptangeklagte, Beate Zschäpe, wurde im Sinne der Anklage schuldig gesprochen. Der Richterspruch lautete: lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mittäterschaft an zehn Morden, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (NSU), schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes. Wegen der Vielzahl der verübten Taten stellte das Gericht außerdem eine besondere Schwere der Schuld fest.
Doch das „Ergebnis des Verfahrens vor dem Oberlandesgericht in München war die strafrechtliche Verantwortung der fünf Angeklagten. Nicht weniger, aber auch nicht mehr“, so Mehmet Daimagüler. Was ist ein solches Urteil wert, wenn die Hintergründe der Mordserie nicht lückenlos aufgeklärt werden. „Wenn der NSU wirklich „ausermittelt“ ist, wie es die Bundesanwaltschaft behauptet, warum wissen wir dann bis heute nicht, wer beispielsweise die Bombe in dem Lebensmittelgeschäft einer iranischstämmigen Familie deponiert hat?“
Am Donnerstag, 8. November, um 19 Uhr ist Mehmet Daimagüler, Opferanwalt der Nebenklage, mit seinem Buch „Empörung reicht nicht“ als Gast in der VHS-Ennepe-Ruhr-Süd (Bürgerzentrum, Mittelstr. 86-88). In diesem Buch analysiert er die Rolle der deutschen Behörden bei der Entstehung der Neonazi-Szene. Er belegt Versäumnisse des Sicherheitsapparates und weist nach, wie sehr das Denken staatlicher Institutionen bei den Morden des NSU rassistisch geprägt war. Denn die neun migrantischen Kleinunternehmer waren eben nicht Opfer einer in den Köpfen der Polizeibeamten existierenden „Türkenmafia“ geworden, sondern Opfer von deutschen Rassisten.
Der Weg, so Mehmet Daimagüler, zu einer besseren Gesellschaft ist lang, und er ist steinig. Er erschöpft sich nicht in strafrechtlicher Verantwortung. Übernehmen wir also Verantwortung für unser Land, für unseren Staat und seine Organe, aber auch für deren Fehler und Unzulänglichkeiten. Dazu gehört auch, nicht so zu tun, als sei der NSU Geschichte, als wären alle Rätsel gelöst und alle Fragen beantwortet.
Mit seinem Buch appelliert Daimagüler an alle, die Demokratie nicht für selbstverständlich zu nehmen, sondern sie gegen Hass und Extremismus zu verteidigen.
Ab 18 Uhr präsentieren sich Akteure des Aktionsbündnisses für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt. Bei Interesse bitte schriftlich anmelden unter Angabe der Kurs-Nr. 4003K über die Homepage www.vhs-en-sued.com. Mehmet Daimagüler liest morgen aus seinem Buch „Empörung reicht nicht“. Foto: privat

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