Hamburg – Helal-Diskussion um Mittagsessen in Schulkantine

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Symbolbild: Schulkantine, Mittagsessen, Helal? © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Für eine hitzige Debatte sorgte die Speisenordnung an einer Hamburger Grundschule. „Nach Auskunft der Schulleiterin der Schule Bonhoefferstraße hat im Februar 2018 der Elternratsvorsitzende unverhältnismäßig vehement gefordert, es müsse zukünftig Halal-Fleisch in der Schulkantine angeboten werden“, heißt es in einer Anfrage des AfD-Abgeordneten in der Hamburger Bürgerschaft Alexander Wolf.

„Wir begrüßen es ausdrücklich, wenn Hamburger Schulkantinen auch Halal-Gerichte im Angebot haben“ erklärt Özlem Nas, Bildungsbeauftragte der SCHURA – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg, anlässlich der Diskussionen über die Speisevorschriften an einer Hambuger Grundschule.

Einer Anfrage des AfD-Abgeordneten in der Hamburger Bürgerschaft Alexander Wolf habe im Februar der Elternratsvorsitzende „unverhältnismäßig vehement gefordert“, dass es zukünftig Halal-Fleisch in der Schulkantine angeboten werden müsse. Nach Beratung im Ganztagsausschuss habe die Schule beschlossen, ab dem neuen Schuljahr sowohl Fleisch- und Fischgerichte als auch vegetarisches Essen anzubieten, jedoch kein Halāl-Fleisch.

„Warum soll dann Halal ein Problem sein?“

Schulkantinen seien nach Ansicht der SCHURA-Bildungsbeauftragten wichtig, um allen Schülerinnen und Schülern über den Tag ein vollwertiges und gesundes Essen bieten zu können. Dabei sei es in einer modernen pluralistischen Gesellschaft ein Zeichen von Diversitätsbewusstsein, wenn auf unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten eingegangen würde, etwa durch das Angebot vegetarischer oder veganer Gerichte. „Warum soll dann Halal ein Problem sein?“ fragt sich Özlem Nas.

Tatsächlich gebe es Caterer, die Schulkantinen mit Halal-Fleisch beliefern könnten. In einigen Schulen wie dem Kurt-Körber-Gymnasium sei dies scheinbar auch unproblematisch praktiziert und von der Schülerschaft sehr positiv angenommen worden. Wenn in einer Schule ein Bedarf nach Halal-Essen bestände und dies praktisch umsetzbar sei, könne doch nichts dagegen sprechen meint die SCHURA-Bildungsbeauftragte. Im Gegenteil: Wenn dadurch mehr Schüler ein regelmäßiges Mittagessen hätten, sei dies nur zu begrüßen. Völlig unangemessen seien deshalb Bemerkungen, muslimische Schülerinnen und Schüler sollten sich das Essen eben selbst kochen.

AfD erhielt falsche Informationen

Der sachliche und besonnene Umgang wäre wichtig, denn diese Debatten haben Auswirkungen auf die Schüler- sowie Elternschaft in Hamburger Schulen. Schura habe Gespräche mit dem Elternratsvorsitzenden geführt, der berichtete, dass es an der Schule seit 2015 ein Halal-Essensangebot gab. Da es bis 2017 eine Kennzeichnung auf den Speiseplänen gab, diese jedoch aus unbekannten Gründen weggefallen sei, hätten die Elternratsvorsitzenden in einer internen Sitzung Mitte Februar 2018 aufgrund von verschiedenen Rückfragen aus der Elternschaft um Aufklärung gebeten, ob das angebotene Essen Halal sei und gebeten, diese Information für alle Eltern offen bereitzustellen. Anstatt der Bitte des Elternrates nachzukommen, informierte die Schulleitung Schulbehörde, Polizei und LI und äußerte den Verdacht, der Elternratsvorsitzende sei ein Extremist. Die darauffolgende interne Überprüfung des LKAs hätte keine extremistischen Tendenzen bestätigt. Die AfD erhielt aus unbekannter Quelle die falsche Information, der Vorsitzende habe Halal-Essen gefordert, welche durch Schulbehörde und Schulleitung nicht richtiggestellt worden sei.

Die jetzige Debatte, ausgelöst durch eine AfD-Anfrage, wirke deshalb skandalisierend und ideologisiert. „AfD und andere Rechtsradikale führen einen Kulturkampf gegen den Islam und wittern anscheinend die Islamisierung des Abendlandes auch auf den Tellern von Schulkindern.“ Wenn das dadurch erzeugte Klima die Diskussion bestimme, würden sachliche Lösungen für praktische Probleme schwer, mahnt SCHURA Hamburg.

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