Weltweiter Alkohokonsum – Asien im Alkohol-Rausch

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Ein Drittel der Weltbevölkerung trinkt im Schnitt rund 17 Liter reinen Alkohol im Jahr. Ein Rausch mit Schattenseiten: gesundheitliche Schäden und oft frühzeitiger Tod. Weltweit nimmt Alkoholkonsum zu. Asien hält mit: Spitzenreiter sind Südkorea, Vietnam und Thailand.

Von Wilfried Arz

| 13.10.2018

Russland bleibt Alkohol-Weltmeister

An verlässlichen Statistiken über den globalen Alkoholkonsum mangelt es nicht. Regionale Verteilung und pro Kopf-Alkoholverbrauch schlüsselt die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem aktualisierten Bericht von 2018 auf.  Danach rangieren Russland und Weißrussland weltweit seit Jahren als Trinkmeister (mit über 15 Liter reinen Alkohol/Person).

Europa trinkt weniger

Europa als Region verzeichnet insgesamt den höchsten Alkoholverbrauch. Der Griff zur Flasche nimmt in Westeuropa und Nordamerika seit Jahren jedoch tendenziell langsam ab. Der Grund liegt weniger in Abstinenz als in der Sättigung des Alkoholmarktes.

Asien trinkt mehr

Deutlich zugenommen hat der Alkoholkonsum dafür umso mehr in Asiens wirtschaftlich dynamischen Regionen West-Pazifik (hier in China, Japan, und Südkorea) und Südostasien (besonders in Vietnam und Thailand). In beiden Wachstumsregionen korreliert Alkoholkonsum deutlich mit höheren Einkommen und veränderten Konsumgewohnheiten der wachsenden Mittelschicht.

Für Asien offenbart die WHO eine hochprozentige Statistik. Bezogen auf den Literkonsum reinen Alkohols pro Person ergibt sich folgende Reihenfolge: Südkorea (10,9), Vietnam (8,7), Thailand (8,3), Mongolei (7,8), China (7,6), Japan (7,5), Laos (7,5), Kambodscha (6,1), Philippinen (5,6) und Indien mit 4,6 Litern.  Niedriger Alkoholkonsum zeichnet generell muslimische Staaten aus: Brunei, Indonesien und Malaysia, in Westasien besonders Pakistan, Afghanistan und Iran.

Muslime trinken eher selten

In muslimischen Staaten gilt für Verkauf und Konsum von Alkohol oft ein gesetzliches Verbot. Ein religiös begründetes Alkoholverbot besteht im Islam jedoch nicht. Ein realitätsnahes Bild von Alkoholkonsum unter  Muslimen ist nicht einfach zu erstellen: neben (teuren) Marken-Alkohol werden hochprozentige Getränke auch lokal (billig) hergestellt und finden selten Niederschlag in offiziellen Statistiken. Auf der Insel Bali/Indonesien wird der Anteil lokal gebrannten Alkohols auf immerhin 40 Prozent des gesamten Konsums geschätzt. Und am Arabischen Golf gelten Dubai, Abu Dhabi, Katar und Bahrain keineswegs als Mekka frommer Abstinenzlern. Hinter verschlossenen Türen auch dort der Griff zur Flasche. Nur im konservativen Saudi-Arabien ist Alkohol generell verboten und strafbar.

Südkorea bei Alkohol die Nr. 1

Südkoreas wirtschaftliche Wachstumserfolge offenbaren gesellschaftliche Schattenseiten. Leistungsdruck, berufliche Konkurrenz und Belastungen in sozialen Beziehungen verursachen oft auch Depressionen und Suizide. Ablenkung verschafft Flucht in den Alkohol. Den mit Abstand höchsten Alkoholverbrauch Asiens verzeichnet Südkorea.

Bier, Reisschnaps und Alkoholismus

Koreaner schlucken gern Bier, besonders aber den heimischen Soju – ein fermentiertes Reisgetränk mit 20 Prozent Alkoholgehalt. Reisschnaps wird in allen Gesellschaftsschichten sehr geschätzt. In Wirtschaftsunternehmen gelten Zechgelage nach Arbeitsschluss zum festen Bestandteil der Firmenkultur. Die Zunahme alkoholkranker Koreaner überrascht daher nicht. Alkoholbedingte Kosten belasten Südkoreas Gesundheitssystem aktuell mit rund 20 Milliarden US-Dollar/Jahr.

Popkultur, Alkohol und Gewalt

Werbung für Alkoholkonsum ist in Südkorea allgegenwärtig. Populäre Pop-Stars begeistern ihre oft minderjährigen Fans mit Musikdarbietungen und   ermuntern in der Werbung zum Bierkonsum. Forderungen nach Werbeverboten scheiterten bislang an der einflussreichen Lobby koreanischer Alkoholkonzerne. Selten thematisiert: der Zusammenhang von Gewalt und Alkohol. Ein Drittel aller Verbrechen in Südkorea werden unter Alkoholeinfluss begangen: Mord, Raub und Vergewaltigungen.

Vietnam: Alkoholkonsum nimmt zu

Im Alkoholkonsum nimmt auch Vietnam eine Spitzenstellung ein: in Asien als Nr. 2 und in Südostasien als Nr. 1. Der vietnamesische Biermarkt wird auf rund 6,5 Milliarden US-Dollar (2016) geschätzt. Bis 2017 dominierten zwei  Staatskonzerne die vietnamesische Bierproduktion. Im Zuge ihrer Privatisierungspolitik verkaufte Vietnams Regierung Anfang 2018 Anteile von SABECO in Saigon und HABECO in Hanoi. Thailands größter Bierkonzern ThaiBev griff zu und konnte damit seinen Bierumsatz in Südostasiens ASEAN-Ländern von 8 auf 24 Prozent zu steigern.

Wie in Südkorea gilt auch für Vietnam: neben dem 5-prozentigen Bier wird gern der stärkere Reisschnaps mit 30 bis 40 Prozent Alkoholgehalt getrunken, der zudem kostengünstiger verkauft wird als Bier. So ist eine Literflasche Schnaps in Vietnam bereits für einen Euro zu bekommen!

Thailand hat ein Alkoholproblem

Mit Stolz vermelden Thailands Medien jährlich steigende Besucherzahlen (2018: 38 Millionen) und Milliardenumsätze seiner Tourismusindustrie. Zum Thema Alkoholkonsum ist auffällige Zurückhaltung zu beobachten.   Thailands Wissenschaftler schätzen die Zahl der Alkoholiker im Königreich auf mindestens drei Millionen – bei einer Bevölkerung von 70 Millionen. Über 50.000 Todesfälle werden jährlich auf Alkoholkonsum zurückgeführt.

Freizeitkultur mit Trinkgelagen

Im Alkoholverbrauch rangiert Thailand in Asien an dritter Stelle – nach Südkorea und Vietnam. Weniger als 50 Prozent entfällt auf Bier. Lokaler Whiskey und Wein haben ein höheren Anteil am gesamten Konsum. Regulatorische Eingriffe des Staates haben Thailands Alkoholverbrauch nicht bremsen können. Verbote für Alkoholwerbung, Verkaufsverbote (am Geburtstag des Königs, zu buddhistischen Feiertagen) und eingeschränkte Verkaufszeiten in Supermärkten (von 12 bis 14 Uhr und 17 bis 1 Uhr) bleiben wirkungslos.

Trinkgelage gelten als fester Bestandteil der Freizeitkultur, besonders unter jugendlichen Thai, die oft schon vor dem 15. Lebensjahr regelmäßig zur Flasche greifen. Rund 60 Prozent der über 26.000 (meist jugendlichen) Verkehrsopfer/Jahr werden im buddhistischen Thailand auf Alkohol zurückgeführt.

Alkohol schadet der Gesundheit

Jenseits hysterischer Stammtisch-Diskussionen über  individuelle Alkoholverträglichkeiten bleibt festzuhalten: Alkohol beeinflusst den menschlichen Organismus in vielfältiger Hinsicht negativ. Klinische Studien  belegen den Zusammenhang zwischen Alkohol und Bluthochdruck, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen (Brust- und Darmkrebs) und Leberzirrhosen. Fazit: regelmäßiger Alkoholkonsum verkürzt die Lebenserwartung. Rund drei Millionen Todesfälle wurden 2016 weltweit erfasst, die in Zusammenhang mit Alkohol standen. Dies sind mehr Todesfälle als durch Masern, TBC und Malaria zusammen.

Ein gesellschaftliches Problem

Weltweit sind mehr Männer als Frauen von Alkoholmissbrauch betroffen.

Gesellschaftlich wird Alkoholkonsum heute weitgehend akzeptiert. Als legal eingestufte Droge kann Alkohol ebenso wie die (noch illegal bewerteten) halluzinogenen Drogen zu Abhängigkeiten führen. Doch schadet Alkohol nicht nur dem Einzelnen, sondern auch der Gesellschaft. Seelische, körperliche und sexuelle Gewalt in Familien und Partnerschaften, Unfälle und Verbrechen unter Alkoholeinfluss sind inzwischen gesellschaftlicher Alltag – nicht nur in Eurasien und Nordamerika.

Ungesunde Gewinne

Im pazifischen Asien nimmt Alkoholkonsum deutlich zu. Prognosen erwarten dort 2020 Umsätze mit alkoholischen Getränken von über 200 Milliarden US-Dollar. Hochprozentige Produkte werden bei global operierenden Alkoholkonzernen somit auch in Zukunft für hochprozentige Bilanzgewinne sorgen. Doch bleibt Alkohol ein ungesundes Geschäft.

Wilfried Arz ist Politikwissenschaftler in Bangkok/Thailand.

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