Berlin – Ibrahim(8) getötet – Baumstumpf wurde geworfen

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Kind getötet – Baumstumpf wurde geworfen

Nach dem Tod eines Achtjährigen im Märkischen Viertel geht die Staatsanwaltschaft von Vorsatz aus.

Berlin. Bunte Blumen liegen neben Kerzen, daneben ein Teddybär und ein Brief: „Warum? Du wolltest doch nur spielen. Wir hoffen, dass es dir gut geht, da wo du jetzt bist“, steht darauf. Und: „Wir möchten deiner Familie mit dieser Kerze und den Blumen viel Kraft spenden, dieses grausame Schicksal zu verarbeiten. In Gedanken sind wir bei euch, eure Nachbarn. Ruhe in Frieden, kleiner Mann.“

Genau an dieser Stelle ist der achtjährige Ibrahim am Sonntag gegen 13.30 Uhr vor einem Hochhaus an der Tiefenseer Straße im Märkischen Viertel von einem herabfallenden Baumstumpf erschlagen worden. Er saß auf seinem Fahrrad, als es passierte. Der Birkenstamm hatte den Jungen am Kopf getroffen. Rettungskräfte haben noch in einem aufgebauten weißen Zelt um das Leben des Kindes gekämpft, doch der Junge ist noch am Unfallort an seinen Verletzungen gestorben.

Bis in die Abendstunden ermittelten Polizisten der Mordkommision, ob der Baumstumpf absichtlich aus einem der Fenster oder von einem Balkon geworfen wurde, oder es sich um einen tragischen Unfall handelt. Dafür wurde der Bereich großflächig abgesperrt. Anwohner durften zu dieser Zeit weder ihre Wohnung verlassen noch betreten. Wie die Berliner Morgenpost am Montag erfuhr, gehen die Ermittler nunmehr davon aus, dass der Birkenstamm geworfen wurde. Es habe sich folglich um Vorsatz gehandelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines Tötungsdelikts, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, auf Nachfrage. Von einem Unglück gehe man nicht aus. Die Ermittler sind indes zuversichtlich: Der Kreis der Verdächtigen ist überschaubar, der Täter wird in dem Haus vermutet. Am Montag wurden noch Spuren ausgewertet.

Anwohner hat Angst, seine Kinder dort spielen zu lassen

Immer mehr Anwohner kommen am Montagvormittag vorbei, legen weitere Blumen nieder, halten inne, beten, manche von ihnen weinen. Auch Kamel Ibrahim war es ein großes Bedürfnis, rote Rosen niederzulegen und so seine Anteilnahme auszudrücken. Er wohnt in dem Haus, neben dessen Eingang sich das Unglück ereignete. „Meine Tochter ist mit ihm in eine Klasse gegangen, es ist einfach nur schrecklich“, sagt der Vater von vier Kindern. „Hier spielen immer viele Kinder. Mein Sohn wollte genau zu der Zeit, als es passierte, nach draußen zum Spielen. Ich habe ihn aber nicht gelassen, weil wir gemeinsam essen wollten“, sagt der Anwohner, „es hätte auch mein Sohn sein können.“

Kamel Ibrahim hat jetzt Angst, seine Kinder draußen spielen zu lassen, weil schon öfter etwas aus einem der vielen Fenster der umliegenden Hochhäuser geworfen worden sei, wie er sagt. Gesehen hat er aber nie jemanden in einem der 15-stöckigen Hochhäuser mit rund 60 Parteien. Deshalb meidet der Familienvater nach eigenen Angaben auch, direkt unter Balkonen und Fenster entlangzulaufen.

Eine Augenzeugin berichtete, der Holzklotz sei „in hohem Bogen“ von oben herabgestürzt. „Mir ist immer noch schlecht von dem Anblick. Ich hoffe, dass sie den Verrückten kriegen.“ Eine andere Anwohnerin, die
extra ein Grablicht gekauft hat, ist wütend und gleichzeitig sehr traurig, weil sie den Jungen gut kannte. „Er war so ein fröhliches Kind“, sagte sie der Berliner Morgenpost.

Quelle: www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article215573001/Baumstumpf-erschlaegt-Kind-Ermittler-gehen-von-Vorsatz-aus.html

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