Geschäftsmodell Flüchtling? – UNO will Investitionen in Migrationslager fördern — RT Deutsch

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Kürzlich eingetroffene Flüchtlinge aus dem Südsudan warten während eines Besuchs des Hochkommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) auf Nahrungsmittelrationen im Flüchtlingskomplex Kakuma, 1. Februar 2018.

Flüchtlingslager bieten eine Gelegenheit für Investitionen privater Firmen, haben die UNO und die Internationale Finanz-Corporation beschlossen. Wirtschaftlicher Fortschritt der Vertriebenen werde durch mangelnden Zugang zu Kapital behindert.

Die UN Flüchtlingsorganisation UNHCR und die Internationale Finanz-Corporation (IFC) sehen in Flüchtlingscamps ungenutztes Potential, das sich wirtschaftlich vermarkten lässt. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung im Flüchtlingslager Kakuma im Nordwesten Kenias. Es handelt sich mit über 100.000 Bewohnern um eines der größten Flüchtlingslager der Welt und wird von Eritreern, Ruandern, Ugandern und Südsudanesen bewohnt. Die Wüstenregion um das Camp ist dünn besiedelt.

„Innovative Lösungsansätze“

Philippe Le Houerou, Hauptgeschäftsführer der IFC, der Investitionsabteilung der Weltbank, forderte, Regierungen und Entwicklungsagenturen sollten mehr tun, um Investitionen des privaten Sektors in Camps wie Kakuma zu unterstützen.

IS-Kämpfer in Syrien (Archivbild)

Flüchtlingskrisen stellen eine große Herausforderung für Regierungen dar. Die finanzielle Hilfe wird zunehmend knapper. „Investitionen des privaten Sektors könnten einen wichtigen Beitrag leisten – durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und Möglichkeiten für Flüchtlinge. Aber den Anlegern fehlen oft die entscheidenden Informationen, um sich in diese Märkte zu wagen.“

Im Lager gebe es über 2.000 Geschäfte und Unternehmen. Ca. 73 Prozent der Bewohner haben ein regelmäßiges Einkommen.

„Globale Flüchtlingskrisen bräuchten ‚innovative Lösungsansätze‘,“ so Daniela Henrike Klau-Panhans, Senior Operations Officer bei der Weltbank.

„Ein $56 Millionen Markt“

„Auf der Reise ins Kakuma-Lager entdeckten wir eine Schattenwirtschaft, die dennoch lebendig ist. Pulsierende Straßenläden, Internetcafés, Restaurants und Schönheitssalons zeigten das Potenzial für private Unternehmen,“ so Klau-Panhans.

Die Studie preist den Bedarf an Lebensmitteln, Wohnen und Sanitärdienstleistungen an. Der aktuelle Umsatz des Lagers beläuft sich auf 56 Millionen US-Dollar. Zusätzliches Volumen würde frei werden, wenn der Tauschhandel auf Geldtransfer umgestellt würde.

Als Beispiel dient der Bildungsmarkt. Obwohl das UNHCR und die kenianische Regierung bemüht sind, kostenlose Bildungseinrichtungen bereitzustellen, geben die Bewohner von Kakuma 8,6 Millionen US-Dollar für private Bildungsmöglichkeiten aus. Hier sieht die Studie die Möglichkeit, das überlastete humanitäre System zu „ergänzen“, indem preiswerte private Schulanbieter einbezogen werden könnten.

Josphat Nanok, Gouverneur von Turkana, sieht die Forderung nach mehr Privatinvestitionen positiv: „Es betont gegenüber der kenianischen Regierung, wie wichtig es ist, Kakuma mit seiner Flüchtlings- und Gastbevölkerung in organisierter Weise in ein städtisches Umfeld umzugestalten…, dies ermutigt Investoren, hierher zu kommen.“

Quelle:

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