Jesidin trifft IS-Peiniger in Deutschland wieder – und flieht in den Irak – Südwest

18
0


Möglicherweise hält sich ein IS-Mitglied in Baden-Württemberg auf, das im Irak Jesidinnen versklavt hat. Das sagt zumindest eine junge Frau, die ihrem IS-Peiniger wieder begegnet sein soll.

SCHWÄBISCH GMÜND/LALISCH (AFP/dpa/BZ). Eine von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) versklavte junge Jesidin aus dem Irak ist nach ihrer Flucht nach Deutschland hier ihrem IS-Peiniger wiederbegegnet – und daraufhin in den Irak zurückgekehrt.


Nach eigenen Angaben wurde die heute 19-jährige Aschwak Hadschi am 3. August 2014 vom IS im Irak verschleppt und für 100 Dollar an einen IS-Kämpfer verkauft. Dieser Mann habe sich damals Abu Humam genannt, sie als Sexsklavin gehalten und monatelang missbraucht, bis ihr nach mehr als drei Monaten die Flucht gelungen sei.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder, die ebenfalls zeitweise Gefangene des IS waren, floh Aschwak Hadschi 2015 nach Deutschland. Die drei lebten in einem Flüchtlingsheim in Schwäbisch Gmünd, der Vater Hadschi Hamid blieb im Irak zurück. In Schwäbisch Gmünd ging Aschwak Hadschi zur Schule und lernte Deutsch, wie sie erzählt.

Bis zum 21. Februar dieses Jahres: Nach eigenen Worten war sie in einem Supermarkt, als sie einen Mann aus einem Auto steigen sah. Der Mann habe sie beim Namen gerufen und auf Deutsch gesagt, er sei Abu Humam. Verängstigt habe sie so getan, als kenne sie ihn nicht, doch der Mann habe auf Arabisch auf sie eingeredet. „Er hat mir gesagt: Lüg’ mich nicht an, ich weiß genau, dass du Aschwak bist und mit deiner Mutter und deinem Bruder in Deutschland lebst“, berichtete Aschwak. „Er hat mir sogar meine Adresse genannt und andere Einzelheiten aus unserem Leben in Deutschland.“

Nach dem Vorfall habe sie sich sofort an die Leitung des Flüchtlingsheimes und Polizei gewandt. „Sie haben mir gesagt, dass der Mann genau wie ich als Flüchtling gekommen sei, und mir eine Telefonnummer für den Notfall gegeben“, sagt die 19-Jährige heute. Nach ihren Angaben hat Aschwak gemeinsam mit den Polizisten auch Videomaterial aus einer Überwachungskamera des Supermarkts gesichtet.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärte, es habe am 13. März Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. Diese könnten derzeit jedoch nicht fortgesetzt werden, weil Aschwak Hadschi als Zeugin „für Rückfragen aktuell nicht erreichbar ist“. Hadschi hatte zu diesem Zeitpunkt aus Angst die Bundesrepublik verlassen und war in den Irak zurückgekehrt, wo sie seither zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt. Ihr in einem Flüchtlingslager im kurdischen Norden des Irak lebender Vater habe die Rückkehr der drei mit gemischten Gefühlen gesehen. „Aber als ihre Mutter mir sagte, dass sie diesen Dschihadisten getroffen hat, habe ich ihr gesagt, sie soll zurückkommen“, sagte der Vater der Nachrichtenagentur AFP. „Deutschland ist offensichtlich kein sicherer Ort mehr für sie.“

Die Bundesanwaltschaft bestätigte, dass eine 19-Jährige Ende Februar entsprechende Angaben bei der Polizei gemacht habe. Sie widersprach jedoch der Schilderung der Reaktion der deutschen Behörden. Die Polizei habe mit den Angaben der 19-Jährigen ein Phantombild erstellt und versucht, den Mann zu finden. Leider seien ihre Angaben nicht sehr präzise gewesen und der Name, den sie nannte, habe sich keiner Person zuordnen lassen, sagte eine Sprecherin. Im Juni habe die Bundesanwaltschaft von dem Fall erfahren und versucht, die Jesidin erneut zu befragen. Zu diesem Zeitpunkt sei sie allerdings bereits im Irak gewesen.

Zwischen 2015 und Anfang 2016 waren auf Initiative von Ministerpräsident Winfried Kretschmann 1100 Jesiden nach Baden-Württemberg geholt worden, überwiegend schwer traumatisierte Frauen, aber auch Kinder. Hintergrund war, dass der sogenannte Islamische Staat im Norden des Irak, im Sindschar-Gebirge, die Minderheit verfolgte und zahlreiche Frauen als Sklavinnen hielt.



Quelle:

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein