„Polizeiruf 110“ heute aus München: „Das Gespenst der Freiheit“ im Check

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Das Szenario:

Auf Tuchfühlung mit dem braunen Mob. Nach dem Mord an einem Flüchtling ermittelt von Meuffels (Matthias Brandt) unter Neonazis. Ein zähes Unterfangen: Der Staatsanwalt legt ihm Steine in den Weg, der Verfassungsschutz macht Tatverdächtige zu V-Männern, und einer der jungen Männer, ein Halbiraner, will so überhaupt nicht ins Nazi-Schema passen. Dem Kommissar bleibt nichts anderes übrig als im Alleingang aus der Nahperspektive zu ermitteln.

Der Clou:

Ekel und Nähe liegen in diesem „Polizeiruf“ dicht beisammen. Das Gebaren der Nazis, ihre besinnungslos gegrölten Schlager, ihre biervernebelte Sicht auf die Welt, ihr notgeiles Rumgefummel an einer vom Verfassungsschutz gespendeten Pistole, das alles ist abstoßend. Gleichzeitig muss von Meuffels und mit ihm das Publikum in diese Welt eintauchen und die sichere Distanz zu den Nazi-Dummbatzen aufgeben.

Das Bild:

Drei Menschen versuchen einen anderen Menschen zu erschießen. Nachdem die Nazi-Truppe endlich eine Pistole hat, will sie einen Verräter aus ihrer Mitte „hinrichten“. Doch keiner bringt die Konzentration auf, gezielte Schüsse abzugeben. Am Ende schreit das Opfer schmerzvoll über die Verletzungen, das Sterben zieht sich. Grausam.

Fotostrecke

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Bilder

„Polizeiruf“ mit Matthias Brandt:
Deutschlands brauner Abgrund

Der Spruch:

„Wir halten nicht für einen Asylanten unseren Kopf hin. Meine Frau hat neulich schon die Wintermäntel von meinen Eltern gespendet. Irgendwann ist auch Schluss.“ Sagt der Staatsanwalt, der sauer ist, weil Kommissar von Meuffels vier junge Deutsche hat einsperren lassen. Er hat Angst, die Öffentlichkeit könnte sich gegen ihn richten.

Der Song:

„Ein Hoch auf die Erinnerung“. Ein Schlagerlied, von dem man glaubt, es schon etliche Male gehört zu haben. Stampfender Beat, hochgepitchter Chorus, besinnungsloser Text. Klingt wie eine Mischung aus Helene Fischer, Andreas Bourani und Böhse Onkelz. Wurde aber extra für diesen „Polizeiruf“ von den Filmkomponisten Caroline Cox, Antonio de Luca, Lucas Croon geschrieben und aufgenommen. Die Nazis geben sich zu dem Lied die Kante.

Die Wahrheit:

Von Meuffels brillant wie immer, müder denn je. Noch eine Folge, dann verlässt der von Matthias Brandt gespielte Kommissar den Münchner „Polizeiruf“. Hier steht er in Flammen, um dann grandios zu verglühen.

Die Bewertung:

9 von 10. Aggressiver, rigoroser, risikobereiter Post-NSU-Gesellschaftsschocker.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


„Polizeiruf 110: Das Gespenst der Freiheit“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



Quelle: