AfD-Abgeordneter aus Köln besucht Rechte der Identitären Bewegung

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Köln/Halle –

Der Kölner Landtagsabgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD) Roger Beckamp soll einen Vortrag bei der rechtsextremen Gruppierung „Kontra Kultur Halle“ gehalten haben. Wie mehrere unabhängige Augenzeugen dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichteten, war Beckamp am Donnerstag in Halle vor Ort, tauschte sich auf der Straße mit bekannten Rechten aus – und betrat schließlich das Haus, in dem die Gruppierung  ein Wohnprojekt betreibt.

Henrik Merker, Journalist aus Halle, sagte im Gespräch mit dieser Redaktion, Beckamp sei zunächst mit einem eigenen Kameramann aufgetaucht, habe die Journalisten „bedrängt“ und ihnen indirekt Befangenheit vorgeworfen. Dann sei er schnell durch den Eingang verschwunden, der von zwei Mitgliedern der rechten Gruppe bewacht wurde. Hinein kamen nur geladene Gäste.

In einer Einladung, die Merker vorliegt, wurde der AfD-Mann  als Redner zum Thema „Verfassungsschutz“ angekündigt. Veranstalter sei der rechte Verlag „Antaios“. Weder Beckamp noch die AfD-Landtagsfraktion waren am Freitag für eine Stellungnahme zu erreichen. Ob Beckamp tatsächlich im Haus den Vortrag hielt, ist unklar.

AfD will eigentlich nichts mit IB zu tun haben

Der 43-Jährige könnte allerdings schon durch seine Anwesenheit gegen die Grundregeln seiner Partei verstoßen haben: „Kontra Kultur Halle“ ist Teil der rechtsextremen Organisation „Identitäre Bewegung“ (IB), die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Der Grund: Durch die IB  würden „Zuwanderer in extremistischer Weise diffamiert“. Der AfD-Bundesvorstand hatte bereits im Juni 2016 in einem Unvereinbarkeitsbeschluss festgelegt, dass es keine Zusammenarbeit zwischen der AfD, ihren Gliederungen und der „Identitären Bewegung“ gibt.

Dennoch ist es nicht der erste Fall, in dem sich ein AfD-Funktionsträger aus NRW darüber hinwegsetzt: Bereits im März berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger“ umfangreich über politische und wirtschaftliche Verwobenheiten des Leverkusener AfD-Chefs mit der IB. Damals hieß es von Andreas Keith, Geschäftsführer der NRW-AfD: Man habe noch nie gehört, dass sich Parteifreunde aus NRW nicht an die „unzweideutige Unvereinbarkeitsklausel“ halten würden.

Alexander Häusler, Extremismusforscher an der Fachhochschule Düsseldorf, sprach in diesem Zuge von einer Unterwanderung: „Die AfD fährt eine Doppelstrategie. De facto arbeiten viele Politiker mit der Identitären Bewegung zusammen, dürfen es aber niemals zugeben.“

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