Start Veranstaltung/ Reportage Großer Ärger um Kopftuch in Schaufenster

Großer Ärger um Kopftuch in Schaufenster

18
0

Großer Ärger um Kopftuch in Schaufenster

Stuttgart/Ravensburg Grace Kelly trug es, die Königin von England trägt es ab und zu, unzählige Bäuerinnen auf dem Land tragen es, ebenso wie stylische Cabriofahrerinnen und Rockabilly-Fans: das Kopftuch. Aber geht es nach einem Stuttgarter AfD-Politiker, ist das Kopftuch nicht praktisch oder eine Hommage an die Mode der 60er und 70er, sondern nur eins: ein Zeichen der Islamisierung.

Nun werden Kopftücher im Schaufenster zum Politikum. Das Modehaus Breuninger, das vor allem ein zahlungskräftiges Publikum im Südwesten anzieht, soll angeblich die Islamisierung vorantreiben – mit seiner Dekoration.

Der Bundestagsabgeordnete Lothar Maier (AfD) postete auf seiner Facebookseite ein Foto vom Schaufenster mit dem folgenden Text: „Eine Islamisierung findet nicht statt. Aber Frauen sollen schon mal ein Kopftuch bei Breuninger kaufen.“

Kein Bezug zum Islam

Dazu schrieb er: „Dies ist das aktuelle Schaufenster vom Breuninger in Stuttgart. Ein Laden, der vor allem Hochpreisiges verkauft und als Flagshipstore richtungsweisend für seine anderen Filialen ist. Die Auslage dort wird nicht nach Lust und Laune der Dekorateurin erstellt, sondern aufwändig von der Werbeabteilung konstruiert. Wenn Breuninger meint, seine Kundschaft austauschen zu sollen – die meisten Dinge lassen sich heutzutage auch online bestellen.“

So äußert sich der AfD-Politiker zur Modekampagne

Bei Breuninger in Stuttgart gibt es Beschwerden, seit die Kopftücher im Schaufenster zu sehen sind – allerdings nur per Telefon oder in den sozialen Medien. Persönliche Kommentare im Geschäft gab es laut Pressesprecher Christian Witt nicht.

Die Kopftücher hätten keinerlei Bezug zum Islam, geschweige denn gehe es um eine spezielle Kundengruppe. „Wir sind ein weltoffenes, unpolitisches Unternehmen. Unsere Schaufenster sind modische und keine politischen Statements.“

Hollywoodstars einer vergangenen Epoche

Die Kopftücher gehören zur Frühlingskampagne mit dem Titel „All is colour“, für die ein Schweizer Fotograf mit einer japanischen Designerin zusammengearbeitet hat. Im Fokus steht die Mode aus den 50er und 60 Jahren. „Das sieht man auch am Bindungsstil der Kopftücher und an den Styles“, sagt Witt. Es gehe um Hollywoodstars einer vergangenen Epoche: Ikonen wie Sophia Loren, Brigitte Bardot, Romy Schneider und Audrey Hepburn, die immer wieder Kopftücher trugen.

Seidentücher seien ein modisches Accessoire – nicht mehr und nicht weniger, sagt Christian Witt. Auch bei Luxusmarken wie Gucci spiele das Tuch wieder eine größere Rolle. Zudem seien Tücher auch heute noch ohne religiösen Hintergrund ein Klassiker: „Frauen, die Cabrio fahren, nutzen es, um ihre Frisur nicht völlig zu zerstören“, sagt Witt.

„Voll im Islamisierungstrend“

Der Post des AfD-Politikers gegen Breuninger wurde mittlerweile fast 1000-mal geteilt, auch auf zahlreichen weiteren Seiten. Die rechtspopulistische Internetseite „PI – Politically incorrect“ kritisiert  das Modehaus Breuninger ebenfalls.

Dort heißt es: „Das Kaufhaus Breuninger ist in der Südwestmetropole Stuttgart das, was in Berlin das KaDeWe, in London Harrods und in Paris das Lafayette ist. Eben dieses Traditionskaufhaus setzt jetzt auf Islamisierung.“ Und weiter: „Breuninger liegt damit voll im Islamisierungstrend, den es ja offiziell angeblich gar nicht gibt in Deutschland.“

Die Seite unterstellt aktuell drei Marken, durch ihre Werbekampagnen die Islamisierung zu unterstützen: L’Oreal, Katjes und eben Breuninger.  „Und noch immer wird von den Altparteien, Medien und Kirchen die Nebelkerze gezündet, die heißt: ‚Eine Islamisierung findet nicht statt!‘. Glaubt das eigentlich noch jemand?“, heißt es auf PI. Die Seite hat übrigens kein Impressum. Wer die Seite betreibt und für die Veröffentlichungen verantwortlich ist, bleibt im Dunkeln.

 

http://www.schwaebische.de/region/baden-wuerttemberg_artikel,-Grosser-Aerger-um-Kopftuch-in-Schaufenster-_arid,10812475.html