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Kopftuchstreit in der Kenia-Koalition

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Kopftuchstreit in der Kenia-Koalition

Ein Foto von Staatssekretärin Susi Möbbeck mit Kopftuch in einer Moschee sorgt unter Sachsen-Anhalts Landespolitikern für Wirbel.

Magdeburg l Ein Foto löst heftige Diskussionen in der Landespolitik aus: Zu sehen ist Staatssekretärin Susi Möbbeck (SPD) mit Kopftuch. Die für Integration zuständige Politikerin hatte sich nach dem Freitagsgebet in der Stendaler Moschee mit Muslimen zum Gespräch an den Tisch gesetzt. Und dazu ihren Schal aufs Haupt gelegt. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hat das Foto nach seinem Skiurlaub am Montag entdeckt. Und ist fassungslos. In Twitter kommentiert er den Auftritt seiner Regierungskollegin so: „Ich bin nur noch sprachlos.“ Möbbeck kontert: „Ich habe die Moschee besucht. Trage auch in katholischer Kirche nicht schulterfrei. Das ist Respekt, sonst nix.“

Nun ist der Streit in der Welt. Tullner, der auch für Relionsfragen zuständig ist, sagt auf Nachfrage: „Das Kopftuch ist auch ein Symbol der Unterdrückung. Sich als Vertreter der Landesregierung so zu zeigen, finde ich höchst unsensibel.“ Er will sich im Kabinett nun für klare Regeln einsetzen. „Als Vertreter der Landesregierung haben wir neutral aufzutreten. Darüber sollte Konsens herrschen.“

Möbbeck verteidigt Verhalten

Das findet auch die CDU-Fraktion. Das Kopftuchtragen sei konfliktbeladen, sagt Frauenpolitikerin Angela Gorr. Daher sei Möbbecks Symbolik unpassend. Die AfD geht noch weiter. Fraktionschef André Poggenburg hält Möbbeck wegen ihrer „Unterwürfigkeit“ für eine Fehlbesetzung. Möbbeck gibt sich unbeeindruckt: „Ich habe schließlich keinen Nikab getragen, sondern mir lediglich mit meinem Halstuch meinen Kopf bedeckt.“ So habe sie das früher gehalten und so würde sie das auch immer wieder tun – in einer Moschee.

Ist das selbst für eine nicht-muslimische Frau in einer Moschee Pflicht? „Man kann es tragen, man muss es aber nicht“, sagt Nushin Atmaca der Volksstimme. Sie ist Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes in Deutschland. Die liberalen Muslime befürworten die Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Mann und Frau. Sie könne es aber nachvollziehen, wenn Frauen in einem Gotteshaus das Kopftuch als Zeichen des Respekts tragen, meint Atmaca.

Viel Verständnis erhält Staatssekretärin Möbbeck von Linken und Grünen. „Das war ein Zeichen des Anstands“, meint Fraktionschefin Cornelia Lüddemann (Grüne). Verheerend seien vielmehr die Umgangsformen in der Landesregierung, sagt Eva von Angern (Linke). Damit meint sie Tullners Twitter-Angriff. Ihr Kollege Wulf Gallert glaubt, dass hat mit der Konkurrenz von Rechts zu tun: „Das zeigt, wie in der CDU Grundfesten wie die Religionsfreiheit vor dem Druck der AfD ins Wanken geraten.“

Source: www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/moschee-besuch-kopftuchstreit-in-der-kenia-koalition