Start Urteil/ Umfrage 17-Jährige Palästinenserin nach Angriff auf Soldaten verurteilt

17-Jährige Palästinenserin nach Angriff auf Soldaten verurteilt

16
0

17-Jährige Palästinenserin nach Angriff auf Soldaten verurteilt

Der Angriff auf israelische Soldaten hatte Ahed Tamimi unter vielen Palästinensern zu einer Heldin gemacht – ihnen gilt sie als Symbol des Widerstands. Nun muss sie ins Gefängnis. Von Tim Aßmann.

Der Angriff auf israelische Soldaten hatte Ahed Tamimi unter vielen Palästinensern zu einer Heldin gemacht – ihnen gilt sie als Symbol des Widerstands. Nun muss sie ins Gefängnis.

Die junge Frau mit den langen rotblonden Locken soll aus dem Gerichtssaal geführt werden. Kurz vor der Tür hat sie noch eine Botschaft für die Reporter. „Es gibt keine Gerechtigkeit unter Besatzung. Das Gericht ist illegal“, ruft Ahed Tamimi, bevor sie sich lächelnd abführen lässt.

Die Szene im Gerichtssaal passt sehr gut zu der jungen Palästinenserin und auch zu diesem Fall. Tamimi, mittlerweile 17 Jahre alt, ist ein Star – zumindest für viele Palästinenser. Die Jugendliche aus dem besetzen Westjordanland hat schon früh von der Macht der Bilder erfahren. Sie kommt aus einer Familie von palästinensischen Aktivisten. Wenn die Tamimis gegen die israelische Besatzung demonstrieren, filmen sie das meistens. So auch im Dezember vergangenen Jahres.

Abschreckung als Urteilsmotiv?

Ahed, damals 16, versuchte einen schwer bewaffneten israelischen Soldaten zu provozieren, verpasste ihm schließlich eine Ohrfeige. Das Video vom Vorfall ging um die Welt und Ahed kam wenig später in Haft und schließlich vor das Militärgericht. Die Anklage umfasste neben dem jüngsten Vorfall noch andere Vorwürfe, darunter Steinwürfe gegen Soldaten. Insgesamt waren es zwölf Punkte.

Die israelische Rechtsanwältin Gaby Lasky, Aheds Verteidigerin, unterstellt der Militärstaatsanwaltschaft nun, dass es um mehr ging, als um die Angeklagte selbst: „Als uns klar wurde, dass die Staatsanwaltschaft Ahed für mehrere Jahre ins Gefängnis bringen wollte, wussten wir, dass es hier darum ging, andere junge Palästinenser abzuschrecken.“

Ikone oder Terroristin?

Das Interesse an dem Verfahren war groß. Für ihre Unterstützer ist Tamimi eine Ikone des palästinensischen Wiederstands, israelische Politiker bezeichneten sie zum Teil als Terroristin. Verhandelt wurde dann, gegen den Willen der Angeklagten, unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Es kam zu einer Einigung zwischen Anklage und Verteidigung, einem sogenannten Deal. Die Staatsanwaltschaft entschied, einen Großteil der Anklagepunkte fallen zu lassen. Tamimi bekannte sich in vier Punkten schuldig, darunter die Ohrfeige gegen den Soldaten. Die 17-Jährige wurde zu acht Monaten Haft verurteilt, von denen sie noch vier verbüßen muss.

„Wir haben gewonnen“

Aus Sicht ihrer Anwältin Lasky ist das ein gutes Ergebnis: „Wir sehen es so, dass wir gewonnen haben. Denn ab der Entscheidung, hinter verschlossenen Türen zu verhandeln, war klar, dass das kein fairer Prozess werden würde. Dies ist ein Besatzungsgericht und das ist das beste Ergebnis, das wir hier erreichen konnten.“ Die israelische Armee teilte mit, sie werde weiter daran arbeiten, Sicherheit und Ordnung im Westjordanland aufrecht zu erhalten.

Tamimi bekam auch eine Bewährungsauflage von drei Jahren. Die Worte ihres Vaters Bassem lassen aber darauf schließen, dass sie sich auch nach ihrer Haftentlassung weiter engagieren und ihre Bekanntheit nutzen wird. „Sie ist stark, ihr Wille ist stark und sie wird die Menschen weiter ermutigen, für unsere Rechte zu kämpfen.“ Der Fall Tamimi – dieser Eindruck bleibt nach dem Ende des Prozesses – ist wohl noch nicht vorbei.

 

Source: www.tagesschau.de/ausland/ahed-tamimi-103.html

Facebook Comments