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Steiniger Weg: Muslima auf Jobsuche

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Langen – „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“, besagt ein geflügeltes Wort. Von Sina Beck 

Eine antiquierte Weisheit, könnte man in der heutigen Zeit annehmen und im Falle von Samira Saleem nicht zutreffend, denn bei ihrer Erfolgsgeschichte steht ihr Mann unterstützend hinter ihr. Toleranz und Zuspruch auf der einen, altbackene Ansichten und Vorurteile auf der anderen Seite – die Deutsch-Pakistani erlebt ein Wechselbad der Gefühle.

Stolz zeigt Samira Saleem den Beförderungsschein, der ihr erlaubt, in Langen als Taxifahrerin zu arbeiten. „Ich bin sehr glücklich, dass ich es geschafft habe“, strahlt sie. „Aber Hut ab vor allen Taxifahrern. Die Prüfung ist sehr schwer, ich habe mehrere Anläufe gebraucht.“ Dafür hat die Muslima allerdings auch nur zwei Wochen – andere lernen mindestens einen Monat – gebüffelt. Seit April hat sie gemeinsam mit ihrem Mann, der Taxifahrer in Neu-Isenburg ist, zwei Stunden täglich die Straßenverhältnisse in Langen gepaukt und im Mai schließlich ihre Ortskenntnisprüfung bestanden.

Die große Freude über den Erfolg währt dann jedoch nur kurz: „In Langen habe ich inzwischen so ziemlich alle Taxiunternehmen durch“, berichtet Saleem von ihren vergeblichen Versuchen, eine Anstellung zu finden. Für die gebürtige Pakistani, die schon im Alter von neun Jahren mit ihrer Familie nach Langen gezogen ist, eine äußerst enttäuschende, oftmals auch verletzende Erfahrung. „Es ist interessant“, umschreibt sie diplomatisch, „welche Vorwände von unterschiedlichen Männern genannt werden.“

Was ihr im Weg zu stehen scheint, den neu erlernten Beruf auszuüben, ist dann alles andere als zeitgemäß: Saleem ist nicht nur eine Frau, sie trägt auch ein Kopftuch. „Ich habe es bei deutschen und ausländischen Unternehmen versucht“, erzählt sie. Dort habe es entweder geheißen, dass es ein Männerberuf sei und für eine muslimische Frau zu gefährlich wäre. Oder, dass ihre Kleidung „angepasst“ sein sollte. „Mir wurde sogar gesagt, ich würde recht islamistisch aussehen“, erinnert sie sich kopfschüttelnd.

Ein Vorwurf, der jeder Beschreibung spottet und erst recht nicht mit Saleems Erfahrungen zusammenpasst. Denn immerhin einmal durfte sie eine Probefahrt absolvieren. „Während dieser drei Stunden war kein Fahrgast dabei, der nicht mit mir fahren wollte.“ Im Gegenteil habe sie nur positive Resonanz bekommen, sei es von einer älteren Frau, die dankbar für einen moderaten Fahrstil war, oder von einer syrischen Familie, die sie gerne wieder für eine Fahrt kontaktiert hätte. „Gerade Flüchtlingsfrauen hätten gerne eine Taxifahrerin“, hat sie erfahren.

Trotz der Rückschläge denkt Saleem nicht ans Aufhören, zumal andere Taxifahrerinnen zeigen, dass es eben kein reiner „Männerberuf“ ist. Und gerade die Probefahrt hat ihr bestätigt, dass auch sie den Wagen im typisch-markanten Hellelfenbein führen will: „Es war einfach nur schön, einzusteigen und unterschiedliche Menschen kennenzulernen.“

Genauso wenig denkt sie daran, sich Vorschriften machen zu lassen und ihr Kopftuch aufzugeben – schließlich hat sie sich diesen Schritt gut überlegt. „Früher habe ich ohne Kopftuch gearbeitet und habe viele Hemmungen gehabt, was die anderen wohl sagen werden. Aber ich habe es eigentlich schon immer tragen wollen und mich vor fünf Jahren nach viel Recherche und reiflicher Überlegung dazu entschlossen.“ Es wäre schlichtweg traurig, sollte ihr Kopftuch tatsächlich ein Hindernis sein, dass die Muslima einen Taxijob findet. Noch trauriger wäre es, würde sie ihre Prinzipien über Bord werfen, um es anderen recht zu machen.

Bei Saleems ungebrochenem Willen ist das jedoch keine Gefahr: „Ich werde es weiter versuchen – für mich selbst, für meinen Mann, der mich so unterstützt hat, und den ich nun auch finanziell unterstützen will, und für andere Frauen, denen ich vielleicht ein Vorbild sein kann.“

Dass der Traum der Langenerin in Erfüllung geht und sie nicht nach ihrem Aussehen und Geschlecht beurteilt wird, sondern nach ihrer Qualifikation, sollte heutzutage eigentlich kein Thema mehr sein. Im Gegenteil wäre das nur rechtens – zumindest laut Artikel drei des Grundgesetzes.

 

 

https://www.op-online.de/region/langen/steiniger-weg-muslima-jobsuche-langen-8537886.html

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