Mazyek: Normalfall sei der „Friedensauftrag“ der Muslime

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Angesichts von Debatten über eine angebliche Radikalisierung im Islam setzt eine Tagung in Mainz einen Kontrapunkt: Sie machte die „Friedensverantwortung im Islam“ zum Thema. Dabei ging es auch um Deutungen des Koran.

Mainz (KNA) Wer bei der Suchmaschine Google die Wörter „Islam“ und „Gewalt“ eingibt, bekommt eine Unmenge von Suchergebnissen – mehr als bei der Kombination „Islam“ und „Frieden“. Die Debatten um Terroranschläge und Selbstmordattentate islamistischer Extremisten haben breite digitale Spuren hinterlassen. Da ist es kein Wunder, dass es für Millionen friedliebender Muslime enorm schwer ist, das Bild vom gewalttätigen Islam in den Köpfen zu ändern.

Angesichts von Diskussionen über eine angebliche Radikalisierung im Islam versuchte am Montag eine Tagung in Mainz, bewusst einen Kontrapunkt zu setzen: Das Thema lautete „Friedensverantwortung im Islam“. Ausrichter waren die rheinland-pfälzische Landesregierung und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD). Deren Vorsitzender Aiman Mazyek betonte, dass der Islam in der Gesellschaft zu sehr mit Gewalt verbunden werde. „Gewaltaffinität“ sei aber im Islam „die absolute Ausnahme“, sagte Mazyek. Normalfall sei der „Friedensauftrag“ der Muslime. Sie müssten sich selber den in der Öffentlichkeit verbreiteten „Codes“ einer „antimuslimischen Islamkritik-Industrie“ stärker widersetzen, forderte Mazyek.

Islamfeindlichkeit werde etwa von rechtspopulistischen und rechtsextremistischen Strömungen befeuert, sagte Klaus Peter Lohest, Abteilungsleiter im rheinland-pfälzischen Integrationsministerium. Man lebe „in Zeiten, in denen Ängste vor dem Islam geschürt“ würden. Er habe „die große Sorge, dass islamfeindliche Einstellungen in Deutschland in erheblichem Umfang verbreitet sind“. Islamophobie sei aber wie der Antisemitismus eine „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“, die bekämpft gehöre.

Der Staat sichere letztlich den sozialen Frieden und beuge religiösem Extremismus vor, indem er alle religiösen Bekenntnisse gleichbehandele. Ein säkularer Staat schließe keine Religion aus, sondern ermögliche die Vielfalt religiöser Überzeugungen, weil dadurch ein Land bereichert werde, sagte der Regierungsvertreter. Allein in Rheinland-Pfalz gebe es 200.000 Bürger muslimischen Glaubens. Sie seien ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft und hätten die gleichen Rechte wie jeder andere Bürger auch. Die „Teilhabe“ der Muslime sei ein wichtiges gesellschaftspolitisches Ziel der Landesregierung, so Lohest.

Der Beauftragte der Landesregierung für Integration und Migration, Miguel Vicente, betonte, Religionen hätten eine bedeutende gesellschaftliche Funktion. „Daher ist es wichtig, das friedensstiftende Potenzial zu heben. Das gilt für den Islam wie auch jede andere Religion“, sagte Vicente.

Der stellvertretende Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, Ahmad Milad Karimi, riet Muslimen zu einem reflektierten Umgang mit dem Koran. „Wenn man einem 14-Jährigen einfach einen Koran in die Hand geben würde, wäre das fatal, weil er nicht weiß, wie er mit diesem Heiligen Buch umgehen soll“, sagte Karimi. Das gelte etwa für den Vers: „Tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet.“ Dazu müsse man sich mit der Tradition und Geschichte des Islam befassen, um zu sehen, wie verschiedene Lesarten eines Verses überhaupt entstanden seien.

Wenn Salafisten in Deutschland behaupteten, man müsse sich „an den Koran halten“, dann wollten sie damit nur ihre eigene Lesart gelten lassen. Kenne man die islamische Tradition jedoch, dann wisse man, dass es zum guten Ton gehöre, zu einem Vers so viele Lesarten wie möglich zu kennen. Mit einem Vergleich aus der Welt des Fußballs sagte Karimi, eine eindimensionale Auslegung des Koran sei „Kreisliga, nicht Champions League“. Der Koran sei ein „komplexes Buch“.

Der Zentralrats-Vorsitzende Mazyek wandte sich hier allerdings gegen die Vorstellung, man brauche eine Art „Bedienungsanleitung“ für den Koran. Beim Durchlesen gebe es „eine starke Plausibilität für einen Friedensauftrag“, warf Mazyek ein. Man dürfe nicht den Eindruck erwecken, Menschen liefen leicht Gefahr, ein falsches Verständnis des Koran zu entwickeln. Zugleich brauche es aber auch Wissenschaft und Forschung. Denn, so Mazyek: „Faulheit im Denken widerspricht dem Koran.“

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