17-jähriger syrischer Flüchtling tötet sich in JVA Herford

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Herford. Ein 17-jähriger syrischer Strafgefangener hat sich am Montag in der Justizvollzugsanstalt Herford das Leben genommen. Der Jugendliche strangulierte sich in den Abendstunden des 26. Novembers mit den herausgerissenen Streifen seines Bettlakens.

„Der Gefangene galt als suizidgefährdet und wurde deshalb in kurzen und unregelmäßigen Abständen von höchstens 15 Minuten beobachtet. Die kurzen Beobachtungsintervalle nutzte er für seinen Suizid aus“, teilte der stellvertretende Leiter der Justizvollzugsanstalt Heinz-Herbert Droste mit.

Der 17-jährige Flüchtling wurde etwa gegen 20.40 Uhr von einem Vollzugsbeamten entdeckt. Sofort eingeleitete Wiederbelebungsversuche durch die Bediensteten sowie später durch den Notarzt waren aber erfolglos.

Der junge Mann war im Oktober aus der JVA Iserlohn nach Herford überstellt worden

Die Herforder Polizei hat noch am Abend – wie in solchen Fällen üblich – ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet, wie ein Polizeisprecher gegenüber der Neuen Westfälischen erklärte. Das Verfahren wird von der Staatsanwaltschaft Bielefeld geleitet.

Der junge Mann war im Oktober aus der JVA Iserlohn nach Herford überstellt worden. Er galt als verhaltensauffällig und es wurde Suizidgefahr festgestellt, wie die JVA weiter mitteilte. Weil sich der 17-Jährige unkooperativ verhalten und auch nicht die verordneten Medikamente genommen habe, sei am 15. November eine Beobachtung angeordnet worden. Die Notwendigkeit dieser Beobachtung wurde am Tage des Suizids erneut von einem Mediziner der Anstalt bestätigt.

Zudem habe es Konflikte mit Mitgefangenen gegeben, nach dem bisherigen Ermittlungsstand wurde am Dienstag während seines Aufenthalts im Freien auch eine Rasierklinge bei dem 17-jährigen Gefangenen gefunden. Dieser Fund wiederum hatte zu einer Verschärfung der Sicherungsmaßnahmen geführt: Gegenstände, die zu einem Angriff auf Mitgefangene und JVA-Bedienstete oder aber bei einer Selbsttötung eingesetzt werden könnten, wurden dem 17-Jährigen weggenommen.

Regelmäßige Durchsuchungen angeordnet

Sonderfreistunden wurden dem jungen Mann komplett gestrichen, genau so wie die Teilnahme an Gemeinschaftsveranstaltungen. Gleichzeitig wurden regelmäßige Durchsuchungen des Gefangenen, seiner Sachen und der Zelle angeordnet.

Für die Justiz war der 17-jährige kein unbeschriebenes Blatt: Er verbüßte eine zweijährige Einheitsjugendstrafe, die Ende Mai 2019 geendet hätte. Verurteilt worden war er wegen Bedrohung in vier Fällen, versuchter gefährlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall, versuchter Körperverletzung in drei Fällen, Nötigung in zwei Fällen, Diebstahls im besonders schweren Fall, Diebstahls geringwertiger Sachen, Beleidigung, Missbrauchs von Notrufen, Hausfriedensbruchs und Computerbetrugs in drei Fällen.

Zuletzt hatte in Sommer 2014 der Tod eines 21-jährigen Rumänen in der Justizvollzugsanstalt Herford für eine öffentliche Diskussion gesorgt. Der als auffällig und aggressiv eingestufte und deshalb auch zeitweise fixierte Gefangene war damals an einer nicht entdeckten Bauchfellentzündung verstorben.

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