Gewalt gegen Flüchtlinge in Felsberg: Junger Afghane verprügelt 

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Gewalt und Pöbeleien gegen junge Geflüchtete in Felsberg – das war jetzt Thema im Sozialausschuss der Drei-Burgen-Stadt.

Vertreter der Stadtjugendpflege, der Jugendwerkstatt und des Mädchentreffs hatten darum gebeten, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, weil sie sich Unterstützung aus der Politik wünschen. Der Hintergrund: Ein junger Afghane war in Felsberg von Deutschen angepöbelt und verprügelt worden.

Ulla Suck-Sartoris von der Jugendwerkstatt Felsberg schilderte den Fall: Vor etwa einem Jahr waren zwei junge Männer aus Afghanistan im Bereich des Gensunger Bahnhofs unterwegs. Dort wurden sie von drei deutschen Männern zunächst angepöbelt, dann auch angegriffen: Zwei der Täter verprügelten einen der Afghanen, wir nennen ihn an dieser Stelle Idris A. (Name von der Redaktion geändert). Das Opfer erlitt Prellungen im Gesicht.

Der junge Mann, der eine Ausbildung absolviert, konnte nach dem Angriff fünf Tage lang nicht arbeiten, berichtete Suck-Sartoris. Der Afghane wandte sich in seiner Not an ehrenamtliche Helfer aus Felsberg – unter anderem an Ulla Suck-Sartoris.

Afghane in Felsberg verprügelt: Einer der Täter noch unbekannt

Einer der Täter ist bis heute unbekannt. Die beiden anderen konnten identifiziert werden, sie standen im März und Oktober 2018 vor Gericht. Einer wurde verurteilt, der andere freigesprochen. Das Urteil sei zwar rechtens gewesen, sagte Suck-Sartoris – es gelte schließlich der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“. „Aber für den jungen Afghanen war das ein Riesenfrust.“

In der Gerichtsverhandlung habe er gesagt: „Ich dachte, hier wäre ich sicher. Und dann passiert mir so etwas.“ Für den Flüchtling Idris A. sei es ohnehin eine Überwindung gewesen, sich mit der Sache an die Polizei zu wenden. Denn der junge Mann weiß bislang nicht, ob er dauerhaft in Deutschland bleiben darf oder nach Afghanistan abgeschoben wird.

In dieser Situation in eine Schlägerei verwickelt zu werden – wenn auch als Opfer – sei für ihn sehr unangenehm gewesen. Kurz nach dem Ende der zweiten Gerichtsverhandlung seien dann erneut junge Geflüchtete von Deutschen angepöbelt worden – an der gleichen Stelle, an der Idris A. damals verprügelt wurde.

„Ein Signal an den jungen Afghanen ist jetzt wichtig: Er muss sehen, dass sich jemand um die Sache kümmert“, sagte Suck-Sartoris.

Ein fester Ansprechpartner für solche Fälle wäre gut. Das könnten nicht die Ehrenamtlichen allein stemmen. Darum wollte man den Fall nun auch bei den städtischen Gremien bekannt machen.

Bürgermeister Volker Steinmetz sagte, der Vorfall sei „absolut bedauerlich“. Er bot an, mithilfe eines Dolmetschers ein Gespräch mit Idris A. zu führen. Außerdem regte er einen runden Tisch zu dem Thema an.

Die Polizeidirektion Schwalm-Eder konnte keine Aussage dazu machen, wie häufig es im Schwalm-Eder-Kreis zu Gewalttaten gegen Menschen mit Migrationshintergrund kommt. Denn statistisch werde zwar die Herkunft der Täter, nicht aber die der Opfer erfasst. Im Sozialausschuss sagte Heike Miedler von der Stadtjugendpflege, dass bei den Tätern zwar eine rechte Gesinnung vorhanden sei. Es gebe in Felsberg insgesamt aber keine besonders starken rechtsextremen Tendenzen.

Quelle:

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