Am griechischen Ochi-Tag will man Istanbul einnehmen

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Athen / TP – Der 28. Oktober ist in Griechenland einer der höchsten griechischen Nationalfeiertage und wird selbst im kleinsten Dorf begangen. Bei den diesjährigen Feierlichkeiten zum Ochi-Tag gab es jedoch sehr viel rechtes, hasserfülltes, rassistisches und nationalistisches Getöse. Zivile wie militärische Verbände in mehreren griechischen Gemeinden und Städten riefen Parolen gegen die Türkei, aber auch Mazedonien. Die Politik scheint das nicht zu interessieren, Gemeinde- und Stadtverwaltungen sehen gleichgültig zu.

Obligatorisch wird die Teilnahme an Paraden vorausgesetzt, bei denen von Vorschulen bis hin zu höchsten Bildungsstätten, zivile Verbände wie militärische Einheiten ihre Märsche vorzeigen. Viele Bürger nehmen daran auch teil. In militärischer Formation und Militärmontur marschieren diese Verbände durch die Hauptstraßen der Gemeinden und Städte, die von militärischen, politischen, staatlichen, geistlichen, lokalen Amts- und Würdenträgern jeder Couleur abgenommen wird.

Auch dieses Jahr gab es in fast allen Gemeinden und Städten solche Paraden. Jedoch, diesmal vernahm man im Gegensatz zu früheren Paraden viel mehr rechte, hasserfüllte, rassistische und nationalistische Parolen, die von militärischen Einheiten, bis hin zu Splittergruppen der „goldenen Morgendämmerung“ oder „goldene Morgenröte“ – einer rechtsextremen neonazistischen Partei aufgesagt wurden. So riefen Kampfschwimmer-Einheiten der griechischen Marine bei ihrer Parade durch die Athener Straßen „Marschieren wir in Istanbul ein“, während in Argyroupoli, einem Dorf auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta das Feindbild gegen Mazedonien und Flüchtlinge aufrechterhalten wurde. In fast allen griechischen Gemeinden und Städten sollen solche Vorfälle registriert worden sein. 

Griechische Oppositionszeitungen kritisierten vor allem die Rolle des Verteidigungsministers Panos Kammenos, der nach Einschätzung des Journalisten Niels Kadritzke die christlich-orthodoxe Identität Griechenlands wiederherstellen will und daher die Einbürgerung von im Land geborenen Migrantenkindern ablehnt. Er steht anderen Religionen wie dem Judentum und dem Islam misstrauisch gegenüber und spricht sich gegen die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare aus.

Wohl deshalb kam es während der Feierlichkeiten auch zu einer kurzen Besetzung des Bauplatzes auf dem Grundstück des botanischen Gartens in Athen, auf dem eine Moschee entstehen soll. Wie hier, so wurden vielerorts solche Vorkommnisse von Bürgern wie auch politischen und Amtsinhabern gleichgültig aufgenommen, was auch die griechischen Oppositionszeitungen hervorheben.

Der Ochi-Tag (Jahrestag des „Nein“) wird jährlich in ganz Griechenland am 28. Oktober gefeiert und erinnert an die Ablehnung des von Benito Mussolini am 28. Oktober 1940 an Griechenland gestellten Ultimatums vor dem Beginn des Griechisch-Italienischen Krieges.

Während des Krieges wurde von Gemeinschaften griechischer Auswanderer in der ganzen Welt jährlich am 28. Oktober des Jahrestags des „Ochi“ gedacht. In Griechenland selbst wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Jahrestag zum öffentlichen Feiertag erklärt. Er ist nach dem 25. März, der an die Befreiung Griechenlands von der osmanischen Herrschaft erinnert, der zweitwichtigste Nationalfeiertag.

Üblicherweise werden Militärparaden sowie Schüler- und Studentenumzüge organisiert, sowie Gebäude und Denkmäler mit griechischen Flaggen geschmückt. Bis 1974 war auch das Schmücken von Wohngebäuden Pflicht.



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