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Sarah Zoabi: Diese muslimische Araberin liebt Israel

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In Israel leben rund 1,7 Millionen Araber, mehr als 20 Prozent der Bevölkerung. Die große Mehrheit von ihnen sind Muslime.

Umfragen zufolge bezeichnen sich 55 Prozent als „stolze Bürger“ des Landes, mehr als 60 Prozent beschreiben ihr Leben in Israel als „gut“ oder „sehr gut“. Doch ein offenes Bekenntnis zu Israel ist oft noch ein Tabu.

Im Interview erklärt die gläubige Muslimin, was sie antreibt. 

BILD: Warum wollen Sie sich mit der Israel-Fahne fotografieren lassen?

Sarah Zoabi: „Ich lebe hier gleichberechtigt und frei, fühle mich angekommen. Zionismus ist für mich das Recht des jüdischen Volkes auf ein eigenes Land. Die israelische Fahne ist auch meine Fahne. Ich habe kein anderes Land, keine andere Fahne.“

Eine ungewöhnliche Position, oder? 

Zoabi: „Ja, aber ich sehe darin keinen Widerspruch zu meiner Identität als muslimische arabische Frau. In den arabischen Ländern leidet die Bevölkerung, die Frauen sind nicht gleichberechtigt. Nur in Israel leben die Muslime, Christen, Drusen, Juden mit vollen Rechten und genießen ein gutes Leben. Israel ist das einzige demokratische freie Land im Nahen Osten. Mein Sohn und ich, wir waren die ersten, die sich öffentlich zu Israel bekannt haben. Und wir haben einen hohen Preis dafür bezahlt.“

Was ist passiert?

Zoabi: „Gegen meinen Sohn gab es konkrete Mordpläne, er musste das Land verlassen. Ich wurde mehrfach angegriffen, es gab verbale und physische Übergriffe. Ich habe viele Morddrohungen bekommen. Denn ich war die erste arabische muslimische Frau die öffentlich gesagt hat: ‚Am Israel Chai! Das jüdische Volk lebt!’

Meine Familie erklärte mich daraufhin für vogelfrei. Weil ich mich zu meinem Land bekannt habe, gelte ich ihnen als Verräterin und als vom Glauben abgefallen. Wenn die israelischen Behörden nicht schützend an meiner Seite gestanden hätten, wäre ich heute sicher nicht hier. Eine zeitlang konnte ich wegen der Drohungen nicht lange an einem Ort bleiben. Jetzt habe ich einen Waffenschein.“

Woher kommt der Hass auf Israel?

Zoabi: „Der Hass beginnt meist in den Elternhäusern. Ich bin zum Glück in einem Haus aufgewachsen, in dem Juden nicht gehasst wurden und ich habe das an meine Kinder weitergegeben. Liebe und Frieden fangen im Elternhaus an.“

Welche Rolle spielt die Religion?

Zoabi: „Einige Imamen verbreiten Hetze und Judenhass in ihren Moscheen. Ich kenne viele junge Araber, die deshalb nicht mehr gerne in die Moschee gehen. Dabei muss man den Koran nicht als feindlich gegen die Juden verstehen, im Gegenteil. Man kann den Koran auch so auslegen, dass man alle Glaubensrichtungen in Ehren hält und friedlich zusammenlebt. Der Glaube ist etwas so sensibles, ich finde es schlimm, wenn er für Hetze missbraucht wird.“

Stehen sie mit ihrer Position für eine stille Mehrheit der Araber in Israel? 

Zoabi: „Ich glaube fest, dass viele israelische Araber die Situation auch so sehen wie ich. Aber sie haben nicht den Mut, den Mund aufzumachen. Ich kriege viele Nachrichten von Arabern, die sich bedanken und mir zustimmen, aber selbst zu viel Angst haben. Die generelle Entwicklung geht zwar in die Richtung, dass mehr arabische Bürger auch in der Armee oder zivil dienen, gerne in Israel leben, aber es ist eine langsame Entwicklung.“

Einige arabische Politiker in Israel sprechen sehr negativ über die Regierung, vergleichen Israel mit dem früheren Apartheidsregime von Südafrika, und einige verteidigen sogar den Terror der Hamas – warum?

Zoabi: „Der Vorwurf, dass Israel ein Apartheidsstaat sei, ist völlig absurd. Man muss nur in die Krankenhäuser gehen, wo jüdische und arabische Ärzte zusammenarbeiten, oder an die Universitäten, wo wir gemeinsam studieren, oder ins Parlament, wo Araber als gewählte Vertreter, als Abgeordnete sitzen. Ich fühle mich von diesen Abgeordneten nicht repräsentiert. Sie nutzen das Parlament, um Hass gegen Israel zu verbreiten, SIE sind die eigentlichen Verräter. Wie kann man als Abgeordneter im israelischen Parlament sitzen, ein sattes Gehalt dafür beziehen und dann davon sprechen, dass Israel ein Apartheidstaat ist? Sie verstehen offenbar nicht, was sie an unserem Land haben und missbrauchen die Redefreiheit. Es gibt 22 arabische Staaten – sollen sie doch in einen dieser Staaten gehen.“

 

Können die arabischen Staaten etwas von Israel lernen?

Zoabi: „Sehr viel: Was Menschenrechte bedeuten. Was Rechtsstaat bedeutet. Was Gleichberechtigung und Freiheit bedeutet. Die israelische Armee verteidigt alle Bürger – egal was sie glauben. Es ist eine moralische Armee. Jeder, der ein gutes Verhältnis mit Israel haben möchte, kann das auch haben. Israel streckt seine Hand aus, ist aber gleichzeitig bereit, seine Grenzen und Bürger zu verteidigen.“

Was wünschen Sie sich für die nächsten 70 Jahre Israel?

Zoabi: „Ich hoffe, dass die Menschen in der Region Israel endlich als jüdischen Staat anerkennen. Die Juden haben Jahrtausende gelitten, sie haben das Recht auf einen eigenen Staat. Und sie wollen Frieden mit ihren Nachbarn. Ich hoffe, dass der Wunsch erhört wird.“

 

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