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Wir diskutieren viel zu häufig über den Islam

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Häufigkeit und Brisanz der Islamdebatten in deutschen Talkshows sind unverhältnismäßig. Solchen Alarmismus sollte man sich für die wirklich dringenden Themen aufheben.

Kommentar von Dunja Ramadan

Müsste man einen dieser einfach gestrickten Titel für die deutsche Talkshow-Misere finden, wäre es wohl dieser: „Islam geht immer: aufstoßen, erbrechen, wiederkauen“. Anfang der Woche diskutierte Frank Plasberg in Hart aber fair über Flüchtlinge und Kriminalität, er stellte die Frage, ob „solche Flüchtlinge“ überhaupt integriert werden und wie unsicher Deutschland dadurch werde. Natürlich saß kein Flüchtling mit am Tisch, der seine Sicht der Dinge hätte erklären können. Warum auch? Es sind ja genügend weiße Menschen vertreten, die seine archaischen Ehrvorstellungen erklären können.

Wenn der Soziologieprofessor Ruud Koopmans in Richtung der deutsch-iranischen Journalistin Isabel Schayani Sätze sagt, wie „Sie wissen doch wie es in Iran ist“, erinnert das an die Arroganz und Einfältigkeit ehemaliger Kolonialherren: Menschen und Ländern wird auf erschreckend ignorante Weise ihre Vielfältigkeit abgesprochen. Man spricht nicht mehr über Einzelfälle (wie in der ARD-Doku „Der Flüchtling und das Mädchen“, die zuvor lief), sondern über Iran und muslimische Männer – man unterscheidet nicht in Kultur, Tradition und Religion – sondern vermischt alles zu einer Brühe, die nun schon seit Jahren vor sich hin köchelt…

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/medien/talkshows-wir-diskutieren-viel-zu-haeufig-ueber-den-islam-1.4005164

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