Hamburg: „Unerträglich“: Leser wird für rassistischen Brief an „Spiegel“-Reporter bestraft

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Weil ihm ein Artikel im Nachrichtenmagazin Spiegel nicht gefiel, schrieb Klaus Peter M.-R. (60) dem Redakteur eine wütende und rassistische Email.

Er kassierte einen Strafbefehl wegen Beleidigung von 900 Euro und wehrte sich. Am Dienstag fand am Amtsgericht Hamburg die Hauptverhandlung statt – der Angeklagte zeigte sich wenig einsichtig und musste am Ende zahlen.

„Ich habe Sie kurz gegoogelt und siehe da: ein Neger“, das schreibt Klaus Peter M.-R. in seiner Nachricht an den Spiegel Redakteur. Der vollständige Text, den Oberstaatsanwalt Lars Mahnke zu Beginn der Verhandlung verliest, ist gespickt mit rassistischen Beleidigungen: etwa würde ein Zitat des Philosophen Albert Schweitzer, in dem er Weiße als übergeordnete Rasse und den Schwarzen überlegen ansieht, „alles sagen“.

„Das war eine direkte Reaktion auf einen Spiegel-Artikel“, sagt Klaus Peter M.-R. „Ich bin nicht Herr meiner Emotionen und war sauer.“ Was zunächst entschuldigend klingt, bestätigt sich in der Verhandlung nicht: Der Mann, der breitbeinig auf der Anklagebank sitzt, zeigt keine Reue und beginnt immer wieder Diskussionen mit dem Oberstaatsanwalt.

„Herr Staatsanwalt, woran stören Sie sich besonders? An dem Begriff „Neger“?“, fragt er. „Welcher Punkt meiner Mail ist strafrechtlich verfolgbar? Sie ist extrem pointiert und unhöflich, aber das war intendiert.“

Oberstaatsanwalt Mahnke sowie Richterin Birte Jäger geben dem Mann, der seit 2012 wegen einer Herzerkrankung arbeitsunfähig ist, mehrere Möglichkeiten, sich zu entschuldigen, doch der lässt sich nicht beirren und plappert weiter: „Ich bin mit Begriffen wie Neger aufgewachsen, wenn ich heute in der Bäckerei einen Negerkuss bestelle, schaut mich auch keiner komisch an.“

„Sie leben abgekoppelt von der Wirklichkeit als alter Mann, deswegen werden sie rassistisch und schreiben solche Nachrichten“, resümiert Mahnke bei seinem Abschlussplädoyer. Am Ende verurteilt die zuständige Richterin ihn zu einer Geldstrafe von 300 Euro (30 Tagessätze à 10 Euro) und fasst zusammen: „Das, was Sie geschrieben haben, ist schlichtweg unerträglich.“

Dieser Artikel wurde verfasst von Lucie Wittenberg

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