Koblenz verbietet ab Januar Burkinis in Schwimmbädern – erlaubt aber Neoprenanzüge

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Koblenz verbietet ab Januar Burkinis in Schwimmbädern – erlaubt aber Neoprenanzüge

Koblenz verbietet ab Januar Burkinis in Schwimmbädern – erlaubt aber Neoprenanzüge

In Koblenzer Schwimmbädern sind Burkinis, die von manchen Muslima getragenen Ganzkörper-Badeanzüge, ab Januar verboten.

Dann tritt in der Stadt eine Badeverordnung in Kraft, die gerade im Koblenzer Stadtrat beschlossen wurde. Ausdrücklich erlaubt bleiben allerdings sonstige Badeanzüge, lange Badeshorts und sogar Neoprenanzüge. (SWR)

So steht es in einem Antrag von CDU und Freien Wählern, der mit Unterstützung der AfD beschlossen wurde. Mit 24 zu 22 Stimmen konnten die drei Parteien den Antrag am Freitag knapp durchwinken. Seitdem wird in der Stadt darüber gestritten, die Linkspartei will am Donnerstag gegen die neue Regelung demonstrieren.

Den Freien Wählern zufolge war der angebliche Grund, warum Burkinis verboten, Neoprenanzüge aber erlaubt sind: Damit man sehen kann, ob jemand mit Hautausschlag ins Wasser geht.

Bitte was? Wie begründen CDU und Freie Wähler ihren Antrag?

Rudolf Kalenberg von der CDU-Fraktion sagte zu bento, dass eine klare Regelung her musste. Die Stadtverwaltung habe die Badeordnung überarbeiten wollen – aber „kein Rückgrat“ bei der Ausformulierung bewiesen. Demnach sollte es keine klaren Regeln für die Badebekleidung geben, das Badepersonal sollte vor Ort entscheiden. „Alle waren in der Frage sehr emotional“, sagt Kalenberg, „dabei sollten wir sachlich bleiben.“

Man kann es bei dem Thema keinem recht machen, aber irgendwie müssen wir ja entscheiden.
Rudolf Kalenberg
Um Klarheit zu schaffen, habe die CDU externe Berater eingeladen und sich dann ein Urteil gebildet. „Auch innerhalb der Partei sind wir hier verschiedener Meinung“, betont Kalenberg. Am Ende sollte trotzdem das Burkiniverbot her.

Stephan Wefelscheid, stellvertretender Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler (FW) im Koblenzer Stadtrat, sagte im Interview mit der ARD, nur Badehose, Bikini, Badeanzug und Badeshorts seien künftig erlaubt. Bei anderer Badebekleidung sei nicht zu erkennen, ob die Trägerin oder der Träger mit Hautkrankheiten oder anderen Verletzungen ins Wasser gehe. Und damit ins Wasser zu gehen, ist in der Koblenzer Bäderverordnung aus hygienischen Gründen verboten.

Warum das bei anderen längeren Textilien und sogar Neopren-Anzügen anders sein soll, erklärte Wefelscheid nicht. Auch Kalenberg von der CDU kann das nicht beantworten, gibt aber zu, dass die Freien Wähler hier einen „seltsamen Aspekt“ betont haben: „Eigentlich geht es ja um unsere Werteordnung, und die ist in einer Bäderordnung nun mal schwer zu Papier zu bringen.“

Kalenberg will entsprechend keinen Muslima den Zugang zum Bad verwehren, sondern lediglich die Vollverschleierung verhindern:

Natürlich gehört der Islam auch zum Schwimmbad – aber es geht auch darum, ein Zeichen gegen den politischen Islam zu setzen.
Rudolf Kalenberg
Was als politischer Islam gilt, ist umstritten. Islamkritiker sagen, im Koran stehe verpflichtend für alle Muslime, andere zu missionieren oder zu unterwerfen. Dass viele Muslima und Muslime ihre Religion nur im Privaten leben, erkennen sie nicht an – das öffentliche Zeigen islamischer Kleidung ist dann schon „politisch“.

Was sagen andere über die neue Badeordnung?

  • Die grüne Familienministerin in Rheinland-Pfalz, Anne Spiegel, nannte den Beschluss „völlig lächerlich und widersinnig“. Dass die eine Bekleidung aus Hygienegründen verboten werde, während andere erlaubt blieben, mache keinen Sinn. Die Regelung gehe viel mehr „populistischen Diskussionen auf den Leim“ und grenze Frauen aus.
  • Auch der Zentralrat der Muslime in Rheinland-Pfalz kritisiert die neue Verordnung. Öffentliche Bäder sollten allen Bürgern offenstehen, sagte die Vorsitzende Malika Laabdallaoui dem SWR. Der Stadtrat habe nicht im Sinne seiner Bürgerinnen und Bürger entschieden, sondern „machtpolitische Gruppierungen“ angefüttert.

Was macht das Burkini-Verbot immer wieder zum Streitfall?

Immer wieder kommt die Diskussion auf, wie mit islamischen Badekleidern in der Öffentlichkeit umzugehen ist. In Frankreich setzten im vergangenen Sommer mehrere Gemeinden ein striktes Burkiniverbot durch, das Verwaltungsgericht kippte diese später (bento).

In Deutschland wird die Debatte meist entfacht, wenn es um den Schwimmunterricht von Schulkindern geht. Auch wurden schon Frauen des Bades verwiesen, wenn sie im Burkini kamen (bento).

Der Burkini

Sehr gläubige Muslima bedecken aus religiöser Pflicht ihren Körper – immer wieder werden auch Frauen und Töchter von ihrer Familie gezwungen, sich zu verhüllen. Das heißt aber nicht, dass sie auf das öffentliche Leben verzichten wollen.

Vor einigen Jahren wurde der Burkini erfunden, eine Art Ganzkörper-Bikini aus eng anliegendem Kunstfasern. Die Deutsche Gesellschaft für Badewesen sieht im Burkini keine Verstöße gegen Hygienevorschriften, sie spricht sich nur gegen Baumwoll-Kleidung im Becken aus.

Rechtspopulistische Parteien wie die AfD nutzen das Thema, um Stimmung gegen den Islam zu machen. Sie sehen in verhüllten Frauen eineangebliche „Islamisierung“ Deutschlands. Um das Wohl der Frau, ob sie den Burkini freiwillig trägt, was sie trägt, geht es dabei oft nicht – der Islam soll einfach aus der Öffentlichkeit verschwinden.

Andere konservative Parteien wie die CDU nutzen das Thema ebenfalls, aber nicht vordergründig wegen des Islams. Da geht es dann, wie auch im Fall Koblenz, um angebliche Hygienebestimmungen und Sicherheitsfragen– auch wenn es im Ergebnis auf ein „wir“ gegen „die“, ein christlich geprägtes Deutschland gegen muslimische Mitbürger geht.

Im Fall von Koblenz betrifft das Burkini-Verbot nach Kenntnis der Stadtverwaltung übrigens: fünf Muslima im gesamten Stadtgebiet.

Quelle: www.bento.de/today/koblenz-verbietet-burkinis-in-schwimmbaedern-erlaubt-aber-neoprenanzuege-a-f8664a34-ce62-45e7-9235-9dcc515a6687

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