Ein exotisches Werk der münsterischen Bildhauerdynastie Mazzotti: Elefant statt Kamel strebt zur Krippe – Kunst

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Ob das Krippenensemble von Vater Pietro oder Sohn Albert geformt wurde, ist nicht ganz klar. Während sich wenige Figuren noch durch traditionelle, neugotische und nazarenische Einflüsse auszeichnen, sind die meisten anderen durch einen deutlich expressiveren Duktus geprägt. Besonders deutlich wird dies beim schwarzen König Kaspar oder einem wandernden Hirtenjungen. Nur Ochs und Esel sind mit dem Kürzel PMM signiert und damit eindeutig Pietro zuzuschreiben.

In den 1920er Jahren von einem Osnabrücker Juristen und seiner Frau nach ihrer Hochzeit angeschafft, waren die 15 Einzelfiguren beziehungsweise Blöcke über viele Jahrzehnte integraler Bestandteil der familiären Festkultur. Dann übergab die Tochter der Familie ihr weihnachtliches Erbe vor einem Jahrzehnt an den Verein der Krippenfreunde Osnabrück-Emsland, weil sie ihren Alterssitz an die Ostsee verlegen wollte. Vereinsvorsitzender Prof. Dr. Gerhard Lohmeier freut sich heute, mit der farbenfrohen Krippe die eingespielte Zusammenarbeit zwischen den Mazzottis und ihrem Osnabrücker Geschäftspartner Ludwig Wiegard belegen zu können. Der Restaurator und Polychromierer kaufte die Mazzotti-Rohlinge aus Gips in Münster ein und verpasste ihnen sodann in Osnabrück den letzten farblichen Schliff.

Gerd Lohmeier weiß von insgesamt vier Familienkrippen, die auf diese Weise den Weg ins Osnabrücker Land gefunden haben, sowie weiteren Einzelfiguren in Privatbesitz. Darüber hinaus hat Pietro Mazzotti die Krippe für die katholische St. AmandusKirche im emsländischen Aschendorf geschaffen und damit auch im öffentlichen Raum Nordwest-Niedersachsens seine Spuren hinterlassen.

In Münster haben sich dagegen sowohl in den Familien als auch in öffentlichen Sammlungen wie dem Stadtmuseum oder dem Heimathaus Kinderhaus Mazzotti-Krippen erhalten. Unter diesen Arbeiten sind auch die Münsterland-Krippen Albert Mazzottis, die in besonderer Weise die Weihnacht nach Westfalen verlegen. So kommt ein grüßender Hirte mit Stock und ehrfürchtig abgenommenem Hut als westfälischer Bauer mit Kittelschürze, Hut, Weidenkorb und Holzschuhen daher, während eine „Hirtin“ in ihrer zu einem Beutel gerafften Schürze samt Kopftuch und Holzschuhen dem Kind ihre Gaben entgegenträgt.

Über die vor allem in Gipsfiguren-Serien ausgeführte Krippenkunst hinaus haben die drei Mazzotti-Generationen Pietro, Albert senior und Albert junior im 20. Jahrhundert nachhaltige Spuren in der münsterischen Skulpturenlandschaft hinterlassen. Die von Ludwig Wiegard farblich gestaltete Osnabrücker Mazzotti-Krippe ist noch bis zum Sonntag, 3. Februar, im Diözesanmuseum Osnabrück zu sehen.




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