Katholischer Laienrat würdigt „Brückenbauer“ Ernst Waldstein

47
0


Wien, 28.01.2019 (KAP) Der Katholische Laienrat Österreichs (KLÖ) trauert um seinen früheren Präsidenten Ernst Waldstein-Wartenberg. Sein Nachfolger Wolfgang Rank, bezeichnete den am 21. Jänner im 94. Lebensjahr Verstorbenen in einer Aussendung am Montag als „Gedankenbringer und Brückenbauer“, der Jahrzehnte hindurch die Arbeit der katholischen Laienorganisationen wesentlich mitgeprägt habe. Angesichts bestehender Spannungsfelder in der Kirche wie Gehorsam/Freiheit, Bewahren/Verändern, Amt/Charisma sei Waldstein immer für das „Sowohl-als-auch“ sowie für den Dialog eingetreten. Dass heuer ein regelmäßiger „strukturierter Dialog“ zwischen Bischöfen und Laienorganisationen verwirklicht wird, sei ganz im Sinn Waldsteins, so Rank. Er bezeichnete dessen Leben als „Vorbild und Auftrag“ für den KLÖ.

Waldstein habe die katholischen Laienorganisationen oftmals mit einer „bunten Blumenwiese“ verglichen und damit die Aufforderung verbunden, diese in ihrer Vielfalt und Eigenart anzuerkennen, sagte Rank weiter. Zugleich sei der Verstorbene immer ein Anwalt der Zusammenarbeit sowohl zwischen den Laienorganisationen als auch generell in der katholischen Kirche in Österreich gewesen: „Er trat für das gemeinsame Tragen der Mitverantwortung für die Kirche ein.“

Der Verstorbene galt als Zentralgestalt der katholischen Laienorganisationen, er war von 1986 bis 1990 Präsident des Katholischen Laienrates und seitdem Ehrenpräsident. Von 1988 bis 1992 war er zudem Präsident des Europäischen Laienforums und brachte die Stimme des katholischen Laienapostolats in Österreich auf europäischer Ebene ein. Dabei war er als quasi ranghöchster katholischer Laie in Europa wesentlich an Initiativen zum Wiederaufbau der katholischen Laienorganisationen in den früher kommunistisch regierten Ländern nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 beteiligt.

Der Altabt des Stiftes Heiligenkreuz, P. Gregor Henckel-Donnersmarck, wird am Donnerstag, 31. Jänner, um 18 Uhr im Stephansdom das Requiem für Waldstein feiern. Die Beerdigung findet im engsten Familienkreis in Waldsteins Geburtsort Hirschberg/Doksy in Nordböhmen statt.

Würdigung auch durch Katholische Aktion

Die Verdienste von Ernst Waldstein um die deutsch-tschechische Aussöhnung hob der Präsident der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Leopold Wimmer, in seinem Nachruf auf den jüngst verstorbenen Doyen des Laienapostolats in Österreich hervor. „Was er in der 1960er Jahren mit der Aussöhnung der slowenischen und deutschen Volksgruppen in Kärnten begann, setzte Waldstein nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 auf europäischer Ebene fort, u.a. in Zusammenarbeit mit der deutschen Ackermann-Gemeinde, erinnerte Wimmer am Montag.

„Auch seine Unterstützung des Wiederaufbaus des Laienapostolats in den Ländern Osteuropas leistete er im Blick auf ein friedliches und geeintes Europa. Angesichts der aktuellen Entwicklungen, geprägt durch Populismus und nationale Egoismen, kann sein Engagement nicht hoch genug bewertet werden und als hochaktuelles Vorbild dienen“, so der KAÖ-Präsident.

1945 als mittelloser Flüchtling nach Österreich

Geboren 1925 als Adelsspross und Erbe eines großen Vermögens landete Ernst Waldstein-Wartenberg 1945 nach der Vertreibung aus seiner Heimat als mittelloser Flüchtling in Österreich. Vor diesem persönlichen Hintergrund wurde er ein lebenslanger Vorkämpfer gegen nationalen Chauvinismus und für Versöhnung zwischen den Völkern und spielte auch eine Schlüsselrolle in der Bewältigung der deutsch-slowenischen Spannungen im Kärnten der 1970er Jahre.

Sein kirchliches Engagement im engeren Sinn begann 1962 bei der Vorbereitung des Österreichischen Katholikentages. 1969 war er entscheidend an der Initiative beteiligt, mit einer Diözesansynode in Kärnten zu einer Versöhnung und neuen Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der slowenischen Volksgruppe zumindest innerhalb der Kirche beizutragen. Dies war umso wichtiger, als außerhalb der Kirche mit dem Kärntner „Ortstafelstreit“ die Gräben zwischen den Volksgruppen erneut aufgerissen wurden. Der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky berief Ernst Waldstein und Valentin Inzko, die beiden eng befreundeten Exponenten der innerkirchlichen Versöhnung der Volksgruppen, in die staatliche Ortstafel-Kommission. Beide konnten Schritte zur Versöhnung im Land bewirken. Von 1972 bis 1985 war Waldstein auch Präsident der Katholischen Aktion der Diözese Gurk.

Für sein Wirken wurde Waldstein vielfach geehrte. So erhielt er mit dem Komturkreuz mit Stern des Gregorius-Ordens und dem Komturkreuz des Sylvester-Ordens sehr hohe päpstliche Auszeichnungen. Das Land Kärnten verlieh ihm das Große Goldene Ehrenzeichen, von der Diözese Gurk wurde er mit der Hemma-Medaille in Gold und vom Volksrat der Kärntner Slowenen mit der Andrej-Einspieler-Plakette gewürdigt.



Quelle: