Was Muslime und Christen verbindet

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Die Krippenausstellung im Kloster Bad Schussenried ist am Wochenende ein Ort der Begegnung gewesen. Vertreter unterschiedlicher Religionen haben sich die Ausstellung zusammen angeschaut und sind darüber miteinander ins Gespräch gekommen.

„Wir alle sind uns einig, dass die Buchreligionen viele Gemeinsamkeiten kennen. Wir wollen deshalb heute über Menschenbilder reden, über Kulturen und Bräuche“ erklärt Kuratorin Hansi Schmehle-Knöpfler zu Beginn. Beim Treff an der Krippe sind Neugierde und Toleranz spürbar, vor allem seitens der örtlichen türkischen Gemeinde. Im Islam kennt man weder die bildliche Gottesdarstellung noch Krippenlandschaften und so lauscht der der neue Imam Mahmut Yavuz aufmerksam, was ihm übersetzt und erklärt wird. „Glaube und Leben gehören zusammen, man kann es nicht trennen,“ betont der evangelische Pfarrer Maile. „Das zeigen die Krippen als dreidimensionales Bild. Sie erzählen Generationen übergreifend von der christlichen Botschaft und sind eine Kunstform in Kirchen oder Gasthäusern.“

Die Darstellungen des Heilsgeschehen mögen für manche befremdlich wirken – doch sie basieren auf dem, was Islam und Christentum verbindet, was Sure 19 und Lukasevangelium verkünden. Sie sind ein Lob auf die Macht und Schöpferkraft Gottes oder Allahs. Beide Religionen kennen Johannes den Täufer als Vorboten Jesu. Beide erzählen von der Botschaft durch den Engel und von der Jungfräulichkeit Mariens oder Maryans. Ein Mal findet die wundersame Geburt im Stall statt, ein Mal unter einer Wüstenpalme. Im Christentum spricht man von Sohn Gottes, im Islam vom Geist Gottes. Der Imam singt, eine gewisse Feierlichkeit erfüllt mit den arabischen Worten das „Jesulein-Zimmer“ und Barbara Maier und Tommi Gretzinger führen durch die Krippenlandschaft und quer durch die Jahrhunderte in die Zukunft.

Die Zukunft ist der dritte Gedanke der traditionellen Veranstaltung. „Wir brauchen neue Ideen für Konzepte, wir müssen schauen, welchen Zugang es künftig geben wird, denn wir befinden uns in einem sozialen und kulturellen Umbruch.“ Diesen Gruß sandte Hansi Schmehle-Knöpfler vom Klinikbett und sie hofft, dass im Sommer ihr Wunsch in Erfüllung geht. „Wie schön wäre es, ein Fest zu feiern mit interreligiösen Begegnungen und Essen und Musik. Ich glaube, wir haben 66 Nationen in Bad Schussenried – und so viel Verbindungen, die es zu entdecken gilt.“ Diesen Wunsch unterstreicht Joachim Moll. „Was fremd ist, versteht man nicht, es macht Angst und schürt Vorurteile. Deshalb ist ein Kennenlernen immer gut.“ Imam Yavuz bringt letztlich alles auf einen Punkt. „Gott ist doch bei allen im Herzen!“



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