Indonesien: Der gemäßigte Islam gewinnt

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Präsident Widodo setzt sich in Indonesien bei der Wahl gegen seinen radikalen Widersacher durch.

Der bisherige Präsident Indonesiens ist laut Hochrechnungen erneut auf der Siegerstraße. Der frühere Möbelhändler, Bürgermeister und Gouverneur Joko Widodo kommt demnach mit rund 55 Prozent der Stimmen auf einen Vorsprung von zehn Prozent gegenüber seinem Widersacher Prabowo Subianto. Dieser, ein Ex-General, beschuldigte Umfrageinstitute am Mittwoch nach Schließung der Wahllokale, die vorläufigen Resultate im Sinne des bisherigen Amtsinhabers zu manipulieren. Schon vor dem Urnengang am Mittwoch, bei dem 193 Millionen Wahlberechtigte einen neuen Präsidenten, ein neues Parlament sowie Regional- und Lokalvertretungen bestimmten, hatte der frühere Chef von Indonesiens Spezialeinheiten unter Diktator Suharto von Manipulationen gesprochen.

„Ich hoffe, Polizei und Militär können eine Wiederholung der Gewaltexzesse von 1998 verhindern“, warnte der Journalist Tommy Suryopratomo vom Widodo-freundlichen Fernsehsender Metro TV am Mittwoch im Gespräch mit der FR. „Prabowo will auf die Macht der Straße setzen.“ Der Ex-General behauptete bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, laut Zahlen seiner Partei Gerindra liege er mit 52 Prozent vorn. Beobachter fürchten, er wolle eine chaotische Entwicklung provozieren und Anhänger zu Attacken auf die chinesische Minderheit anstiften.

In Indonesien hofften Radikalislamisten auf mehr Einfluss

Dabei sprachen am Mittwochabend (Ortszeit) alle Anzeichen dafür, dass die Wähler des Landes eine deutliche Richtungsentscheidung gefällt hatten. Sie erteilten Prabowo, einem Vertreter der traditionellen Elite des Landes, in Jakarta eine deutliche Abfuhr. Der 63-jährige ehemalige Schwiegersohn von Suharto hatte im Wahlkampf ungeniert die radikalislamische Karte gespielt. Extreme Gruppen, aus deren Reihen rund 500 Kämpfer und Familien sich im Nahen Osten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ angeschlossen haben, hofften auf einen Sieg Prabowos und mehr politischen Einfluss.

Ihre Macht scheint nicht genügt zu haben, um den Ex-General ins Präsidentenamt zu befördern. Sie reichte aber aus, um den gemäßigten Widodo auf einen religiöseren Kurs zu zwingen. Wenige Tage vor dem Urnengang reiste er zur Pilgerfahrt nach Mekka, um konservativen muslimischen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Außerdem hatte sich der seit 2014 amtierende Staatschef den 76-jährigen Ma’ruf Amin als Vizepräsidentenkandidaten ins Boot geholt. Der frühere Chef von Indonesiens Ulema, dem Rat der obersten Geistlichen, verkündete Bannsprüche gegen Homosexuelle und verbot Muslimen das Tragen von Weihnachtsmützen. „Beide Seiten sorgten für die Verschlechterung von Menschenrechten und unterhöhlten die Demokratie“, monierte am Mittwoch Phil Robertson von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), „der politische Islam in Indonesien ist stärker geworden“.

Widodo gilt in Indonesien als guter politischer Manager

Der Wahlausgang legt freilich nahe, dass der an Einfluss gewinnende konservative Islam saudi-arabischer Prägung nicht gegen Widodo mobilisieren konnte. Tatsächlich erwarten viele Indonesier von dem Präsidenten, dass er sich um alltägliche Sorgen kümmert. „Der Islam ist mir egal“, sagt eine mit Kopftuch bekleidete Wählerin am Stadtrand der Hauptstadt Jakarta, „mich interessiert, dass der Präsident die Erziehungsmöglichkeiten für Kinder wie meine Tochter verbessert.“

Widodo, der sich vor seinem ersten Einzug in den Präsidentschaftspalast einen Ruf als guter politischer Manager verdiente, stand während seiner ersten Amtszeit für den Ausbau der Infrastruktur. Wirtschaftlich konnte er sich nie mit den Tycoons anfreunden, die seit Jahrzehnten die großen Unternehmen Indonesiens führen – Konzerne, die überwiegend den Abbau von Rohstoffen betreiben. Widodo ließ sich lieber von jungen Vertretern der „neuen Wirtschaft“ feiern – Nachwuchsmanagern, die mit vielen Ideen, digitaler Ökonomie und wenigen sozialen Standards Nischen in Südostasiens größter Wirtschaft nutzen.



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